Die OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom) veröffentlicht jeden Monat einen neuen Tarif, den OeMAG-Marktpreis. Wer in Österreich eine PV-Anlage betreibt und ohne Energiegemeinschaft an die OeMAG-Bilanzgruppe einspeist, bekommt diesen Wert für jede ins Netz abgegebene Kilowattstunde. Im April 2026 lag er bei rund 6,77 ct/kWh. Was diese Zahl im Haushalt bedeutet, klärt eine einfache Vergleichsrechnung: der Wiener Bezugspreis liegt im selben Monat rund viermal höher. Eigenverbrauch wird damit zum zentralen Hebel für die Wirtschaftlichkeit. Stand: 25. Mai 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- OeMAG-Marktpreis April 2026: 6,77 ct/kWh (Wert variiert monatlich, rückwirkend veröffentlicht).
- Berechnung: Day-Ahead-Stundenpreis im Korridor 60–100 Prozent des Quartalsmarktpreises (§ 41 ÖSG), minus Ausgleichsenergie 0,408 ct/kWh für PV.
- Faktor 4: Wiener Bezugspreis ~29 ct/kWh; jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist rund viermal mehr wert als jede eingespeiste.
- Vertragslaufzeit der OeMAG-Bilanzgruppe bis 31.12.2030, Mindestbindung 12 Monate.
- Smart Meter mit aktivierter Viertelstunden-Messung ist Voraussetzung.
- Anlagen ≥ 500 kW(p) sind ausgeschlossen, kleinere können beitreten.
- Stand: 25.05.2026, nächste Prüfung 25.11.2026.
Wie der OeMAG-Marktpreis zustande kommt
Der Marktpreis folgt einer in § 41 ÖSG verankerten Formel. Ausgangspunkt ist der Quartalsmarktpreis: der gewichtete Durchschnittspreis der Day-Ahead-Stundenpreise im jeweiligen Vorquartal. Für das zweite Quartal 2026 liegt dieser Wert bei rund 11,97 ct/kWh.

Aus diesem Quartalswert ergibt sich der Korridor, in dem der monatliche PV-Wert berechnet wird: 60 bis 100 Prozent des Quartalswerts. Der konkrete Monatswert entsteht aus dem gewichteten Day-Ahead-Stundenpreis, gewichtet mit dem typischen PV-Einspeise-Profil. Vom Ergebnis wird die Ausgleichsenergie abgezogen, bei PV in Österreich 2026 rund 0,408 ct/kWh. Das Resultat ist der monatliche OeMAG-Marktpreis, im April 2026 also 6,77 ct/kWh.
Die rückwirkende Veröffentlichung am Anfang des Folgemonats hat einen praktischen Grund: erst dann liegen alle Day-Ahead-Daten vollständig vor. Wer den aktuellen Stand wissen will, prüft die OeMAG-Webseite Anfang jeden Monats.
Was der aktuelle Tarif konkret sagt
Eine Kilowattstunde Solarstrom hat zwei Werte, abhängig davon, was damit passiert. Die Tabelle zeigt das im Verhältnis zum Wiener Bezugspreis (Anhaltspunkt um 29 ct/kWh inklusive aller Abgaben, Stand 2026).

| Strategie | Wert pro kWh | Verhältnis zum Bezugspreis |
|---|---|---|
Einspeisung über OeMAG (April 2026) | 6,77 ct | × 0,23 |
Einspeisung über alternativen Händler (Beispiel) | 10,00 ct | × 0,34 |
Einspeisung über Energiegemeinschaft (Beispiel) | 14,00 ct | × 0,48 |
Eigenverbrauch direkt | 29,00 ct | × 1,00 |
Eigenverbrauch über Speicher (90 % Wirkungsgrad) | 26,10 ct | × 0,90 |
Die Aussage ist eindeutig: selbst der teuerste Speicher-Eigenverbrauch schlägt jede Einspeisungsvariante. Eine Anlage, die rein auf Einspeisung optimiert wird, lässt rund drei Viertel des wirtschaftlichen Potenzials liegen.
Vertragsbedingungen: 12 Monate Bindung, 31.12.2030 als Anker
Wer in die OeMAG-Bilanzgruppe eintritt, schließt einen Vertrag mit Laufzeit bis zum 31.12.2030. Innerhalb dieser Laufzeit beträgt die Mindestbindung 12 Monate, danach ist Wechsel zu einem anderen Vermarktungsweg (alternativer Stromhändler, Energiegemeinschaft) jederzeit möglich.
Diese Logik macht die OeMAG zum Default-Pfad, nicht zur einzigen Option. Wer nach 12 Monaten merkt, dass eine lokale Energiegemeinschaft den eigenen Strom höher vergütet, kann wechseln. Wer im OeMAG-Modell bleiben will, läuft bis Ende 2030 weiter. Die 2030er-Grenze ist gesetzgeberisch gesetzt; was danach kommt, hängt an der nächsten ÖSG-Novelle.
Wer in die Marktpreis-Bilanzgruppe darf
Die OeMAG nimmt Erneuerbare-Anlagen unter 500 Kilowatt(peak) in die Marktpreis-Bilanzgruppe auf. Für die meisten privaten PV-Anlagen wirkt die Grenze nicht beschränkend: Eigenheim-Anlagen liegen typisch bei 5–10 kWp, größere Mehrfamilienhäuser bei 30–100 kWp. Anlagen über 500 kW(p) vermarkten direkt über den Markt, üblicherweise mit Aggregator-Partnern.
Steckersolar-Anlagen unter 800 Watt Engpassleistung können theoretisch in die OeMAG-Bilanzgruppe. In der Praxis lohnt sich der Vertragsabschluss selten: Die Verwaltungskosten beim Smart-Meter-Wechsel und der laufende administrative Aufwand übersteigen den Erlös aus der Einspeisung typischer Balkonkraftwerke deutlich.
Smart Meter und Viertelstunden-Messung als Voraussetzung
Die OeMAG arbeitet auf Basis von Viertelstunden-Lastgang-Daten. Voraussetzung ist also ein Smart Meter (in Österreich „intelligente Messeinrichtung" oder iMSys) mit aktivierter Viertelstunden-Erfassung. Ohne diese Aktivierung kann der Netzbetreiber keine Einspeise-Daten an die OeMAG übermitteln.
Praktisch heißt das: Vor dem OeMAG-Antrag wird beim Netzbetreiber die Viertelstunden-Aktivierung beantragt. In Wien (Wiener Netze) und Niederösterreich (EVN Netz) erfolgt das über das Kundenportal, in anderen Bundesländern über das Netzbetreiber-Formular. Wer noch keinen Smart Meter hat, beauftragt den Tausch; der Rollout läuft bis 2026 flächendeckend.
[CTA mittig] Sie kommen aus der Anmeldung beim Netzbetreiber und prüfen jetzt den Vermarktungsweg? Die AT-Anmeldung selbst steht hier: Balkonkraftwerk anmelden in Österreich.
Alternativen: Energiegemeinschaft, privater Stromhändler
Die OeMAG ist der Default, aber zwei Alternativen können wirtschaftlich besser sein.

Energiegemeinschaft (Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft, EEG): Ein lokaler Verbund aus Erzeugern und Verbrauchern handelt Strom direkt untereinander. Der interne Preis liegt in vielen EEGs zwischen 12 und 16 ct/kWh und damit deutlich über dem OeMAG-Marktpreis. Voraussetzung: eine EEG im eigenen Ort oder eine Bürgerenergie-Gemeinschaft (BEG) mit Netzbezug. Nicht überall verfügbar, aber wachsende Anzahl.
Privater Stromhändler mit Direktvermarktungsvertrag: Einige österreichische Energieversorger (z. B. aWATTar, ÖkoStrom, Stromverbraucher-Genossenschaften) bieten Einspeise-Verträge mit höheren Festtarifen oder dynamischen Modellen. Der Verglich lohnt sich vor allem, wenn die Anlage größer ist und ein höheres Einspeisevolumen den Mehraufwand rechtfertigt.
Wer die Wahl trifft, prüft drei Größen: tatsächlicher Cent-Wert pro kWh, Vertragslaufzeit, Wechsel-Konditionen.
Empfehlung mit Schwelle
Empfohlen OeMAG-Vertrag, wenn:
- Keine Energiegemeinschaft im Wohnort verfügbar
- Kein alternativer Stromhändler mit deutlich höherem Tarif vorhanden
- Anlage unter 500 kW(p)
- Eigenverbrauchsstrategie (Speicher, Lastverschiebung) bereits umgesetzt
Empfohlen Energiegemeinschaft oder alternativer Händler, wenn:
- Lokaler Marktwert deutlich höher liegt
- EEG / BEG im Ort verfügbar
- Anlagengröße den Wechselaufwand rechtfertigt
Nicht empfohlen Vertragsabschluss ohne Smart-Meter-Aktivierung: Die OeMAG kann ohne Viertelstunden-Daten nicht abrechnen. Nicht empfohlen Vertragsabschluss ohne Eigenverbrauchsstrategie: Bei Faktor 4 zwischen Bezug und OeMAG-Wert verschenken Sie sonst rund drei Viertel des wirtschaftlichen Potenzials.
DACH-Brücke
In Deutschland greift die feste EEG-Einspeisevergütung mit 20 Jahren Förderdauer; Details in Einspeisevergütung Deutschland 2026. In der Schweiz funktioniert die staatliche Förderung über Einmalvergütungen als Investitionszuschuss, ohne laufende Vergütung; Details in Photovoltaik in der Schweiz. Die OeMAG-Logik bildet damit das DACH-spezifische dritte Modell: variable Vergütung am Day-Ahead-Markt mit gesetzlich definiertem Korridor. [CTA Ende]
- Balkonkraftwerk anmelden in Österreich: der Anmeldeweg, bevor Sie den Vermarktungsweg festlegen.
Häufige Fragen
Wo finde ich den aktuellen OeMAG-Marktpreis?
Auf der OeMAG-Webseite unter „Marktpreis", rückwirkend zu Beginn jedes Folgemonats veröffentlicht.
Warum schwankt der Wert monatlich so stark?
Der Marktpreis spiegelt das Day-Ahead-Marktgeschehen: Sehr sonnige Mittagsstunden drücken den Preis, sonnenarme Phasen heben ihn. Im Sommer liegt der PV-Wert systematisch niedriger als im Winter.
Was ist Ausgleichsenergie?
Ausgleichsenergie deckt die Differenz zwischen prognostizierter und tatsächlicher Einspeisung. Sie wird vom Marktpreis abgezogen, 2026 rund 0,408 ct/kWh bei PV.
Kann ich den OeMAG-Vertrag jederzeit kündigen?
Nach Ablauf der 12-Monats-Mindestbindung ja. Innerhalb der ersten 12 Monate ist Kündigung nur bei gravierenden Vertragsverletzungen möglich.
Was passiert nach dem 31.12.2030?
Die aktuelle Vertragsbasis endet zum 31.12.2030. Die Folge-Regelung hängt an der nächsten ÖSG-Novelle und ist Stand 2026 noch offen.
Lohnt sich ein OeMAG-Vertrag für ein Balkonkraftwerk?
Selten. Die laufenden Verwaltungskosten und der Smart-Meter-Aufwand übersteigen den Erlös aus der Einspeisung typischer 800-Watt-Anlagen meist deutlich.
Quellen und Stand
Nächste Prüfung dieses Beitrags: 25.11.2026 (Hot-Fact-Re-Check Marktpreis und Quartalswert).

