Die OeMAG (Abwicklungsstelle für Ökostrom) veröffentlicht jeden Monat einen neuen Tarif, den OeMAG-Marktpreis. Wer in Österreich eine PV-Anlage betreibt und ohne Energiegemeinschaft an die OeMAG-Bilanzgruppe einspeist, bekommt diesen Wert für jede ins Netz abgegebene Kilowattstunde. Im August 2026 lag er bei 8,997 ct/kWh, im Juli davor bei 6,146. Diese Spanne ist der eigentliche Befund. Der Wiener Bezugspreis liegt bei rund 29 ct und bewegt sich kaum, der Einspeisewert schwankt um die Hälfte. Was der Monatswert im Haushalt bedeutet, klärt deshalb keine Momentaufnahme, sondern das Verhältnis. Und das bleibt in jedem Monat des Jahres deutlich zugunsten des Eigenverbrauchs.
Das Wichtigste in Kürze
- OeMAG-Marktpreis 2026: zuletzt 8,997 ct/kWh für August, davor 6,146 im Juli und 6,772 im Juni. Der Wert wird monatlich rückwirkend neu festgelegt.
- Berechnung: Day-Ahead-Stundenpreis im Korridor 60–100 Prozent des Quartalsmarktpreises (§ 41 ÖSG), minus Ausgleichsenergie 0,408 ct/kWh für PV.
- Drei- bis viermal: Beim Wiener Bezugspreis von rund 29 ct/kWh ist jede selbst verbrauchte Kilowattstunde drei- bis viermal so viel wert wie jede eingespeiste, je nach Monat.
- Vertragslaufzeit der OeMAG-Bilanzgruppe bis 31.12.2030, Mindestbindung 12 Monate.
- Smart Meter mit aktivierter Viertelstunden-Messung ist Voraussetzung.
- Anlagen ≥ 500 kW(p) sind ausgeschlossen, kleinere können beitreten.
Wie der OeMAG-Marktpreis zustande kommt
Der Marktpreis folgt einer in § 41 ÖSG verankerten Formel, deren Ausgangspunkt der Quartalsmarktpreis ist: der gewichtete Durchschnittspreis der Day-Ahead-Stundenpreise im jeweiligen Vorquartal. Für das zweite Quartal 2026 liegt dieser Wert bei rund 11,97 ct/kWh.

Aus diesem Quartalswert ergibt sich der Korridor, in dem der monatliche PV-Wert berechnet wird: 60 bis 100 Prozent des Quartalswerts. Der konkrete Monatswert entsteht aus dem gewichteten Day-Ahead-Stundenpreis, gewichtet mit dem typischen PV-Einspeise-Profil. Vom Ergebnis wird die Ausgleichsenergie abgezogen, bei PV in Österreich 2026 rund 0,408 ct/kWh. Das Resultat ist der monatliche OeMAG-Marktpreis. Wie stark er schwankt, zeigt der Sommer 2026: 6,772 ct/kWh im Juni, 6,146 im Juli, 8,997 im August. Der August-Wert lag erstmals seit dem Frühjahr wieder deutlich über der Untergrenze.
Die rückwirkende Veröffentlichung am Anfang des Folgemonats hat einen praktischen Grund: erst dann liegen alle Day-Ahead-Daten vollständig vor. Wer den aktuellen Stand wissen will, prüft die OeMAG-Webseite Anfang jeden Monats.
Was der aktuelle Tarif konkret sagt
Eine Kilowattstunde Solarstrom hat zwei Werte, abhängig davon, was damit passiert. Die Tabelle zeigt das im Verhältnis zum Wiener Bezugspreis (Anhaltspunkt um 29 ct/kWh inklusive aller Abgaben, Stand 2026).

| Strategie | Wert pro kWh | Verhältnis zum Bezugspreis |
|---|---|---|
Einspeisung über OeMAG (August 2026) | 9,00 ct | × 0,31 |
Einspeisung über OeMAG (Juli 2026, Tiefpunkt) | 6,15 ct | × 0,21 |
Einspeisung über alternativen Händler (Beispiel) | 10,00 ct | × 0,34 |
Einspeisung über Energiegemeinschaft (Beispiel) | 14,00 ct | × 0,48 |
Eigenverbrauch direkt | 29,00 ct | × 1,00 |
Eigenverbrauch über Speicher (90 % Wirkungsgrad) | 26,10 ct | × 0,90 |
Die Aussage ist eindeutig: selbst der teuerste Speicher-Eigenverbrauch schlägt jede Einspeisungsvariante. Eine Anlage, die rein auf Einspeisung optimiert wird, lässt rund drei Viertel des wirtschaftlichen Potenzials liegen.
Vertragsbedingungen: 12 Monate Bindung, 31.12.2030 als Anker
Wer in die OeMAG-Bilanzgruppe eintritt, schließt einen Vertrag mit Laufzeit bis zum 31.12.2030. Innerhalb dieser Laufzeit beträgt die Mindestbindung 12 Monate, danach ist der Wechsel jederzeit möglich — zu einem alternativen Stromhändler oder in eine Energiegemeinschaft.
- Laufzeit bis 31.12.2030. Die Grenze steht im Gesetz; was danach gilt, entscheidet die nächste ÖSG-Novelle.
- Mindestbindung 12 Monate, danach jederzeit kündbar.
- Zugang bis 500 kW(p) Anlagenleistung. Darüber läuft die Vermarktung direkt über den Markt.
Diese Logik macht die OeMAG zum Default-Pfad, nicht zur einzigen Option. Wer nach 12 Monaten merkt, dass eine lokale Energiegemeinschaft den eigenen Strom höher vergütet, kann wechseln. Wer im OeMAG-Modell bleiben will, läuft bis Ende 2030 weiter; diese Grenze steht im Gesetz. Was danach kommt, hängt an der nächsten ÖSG-Novelle.
Wer in die Marktpreis-Bilanzgruppe darf
Die OeMAG nimmt Erneuerbare-Anlagen unter 500 Kilowatt(peak) in die Marktpreis-Bilanzgruppe auf. Für die meisten privaten PV-Anlagen bleibt die Grenze weit weg. Eigenheim-Anlagen liegen typisch bei 5–10 kWp und größere Mehrfamilienhäuser bei 30–100 kWp, während Anlagen über 500 kW(p) direkt über den Markt vermarkten, üblicherweise mit Aggregator-Partnern.
Steckersolar-Anlagen unter 800 Watt Engpassleistung können theoretisch in die OeMAG-Bilanzgruppe. In der Praxis lohnt der Vertragsabschluss selten. Verwaltungskosten beim Smart-Meter-Wechsel und laufender Aufwand übersteigen den Erlös aus der Einspeisung typischer Balkonkraftwerke deutlich.
Smart Meter und Viertelstunden-Messung als Voraussetzung
Die OeMAG arbeitet auf Basis von Viertelstunden-Lastgang-Daten. Voraussetzung ist also ein Smart Meter (in Österreich „intelligente Messeinrichtung" oder iMSys) mit aktivierter Viertelstunden-Erfassung. Ohne diese Aktivierung kann der Netzbetreiber keine Einspeise-Daten an die OeMAG übermitteln.
Praktisch heißt das: Vor dem OeMAG-Antrag wird beim Netzbetreiber die Viertelstunden-Aktivierung beantragt. In Wien (Wiener Netze) und Niederösterreich (EVN Netz) erfolgt das über das Kundenportal, in anderen Bundesländern über das Netzbetreiber-Formular. Wer noch keinen Smart Meter hat, beauftragt den Tausch; der Rollout läuft bis 2026 flächendeckend.
Die Viertelstunden-Aktivierung ist damit der erste Schritt, nicht der letzte: Sie gehört zur Anmeldung beim Netzbetreiber, die Balkonkraftwerk anmelden in Österreich im Ganzen beschreibt. Wer sie vergisst, hat einen gültigen OeMAG-Vertrag ohne abrechenbare Daten.
Alternativen: Energiegemeinschaft, privater Stromhändler
Die OeMAG ist der Default, aber zwei Alternativen können wirtschaftlich besser sein.
Energiegemeinschaft (Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft, EEG): Ein lokaler Verbund aus Erzeugern und Verbrauchern handelt Strom direkt untereinander. Der interne Preis liegt in vielen EEGs zwischen 12 und 16 ct/kWh und damit deutlich über dem OeMAG-Marktpreis. Voraussetzung: eine EEG im eigenen Ort oder eine Bürgerenergie-Gemeinschaft (BEG) mit Netzbezug. Nicht überall verfügbar, aber wachsende Anzahl.
Privater Stromhändler mit Direktvermarktungsvertrag: Einige österreichische Energieversorger (z. B. aWATTar, ÖkoStrom, Stromverbraucher-Genossenschaften) bieten Einspeise-Verträge mit höheren Festtarifen oder dynamischen Modellen. Der Verglich lohnt sich vor allem, wenn die Anlage größer ist und ein höheres Einspeisevolumen den Mehraufwand rechtfertigt.
Wer die Wahl trifft, prüft drei Größen: tatsächlicher Cent-Wert pro kWh, Vertragslaufzeit, Wechsel-Konditionen.
OeMAG, Energiegemeinschaft oder Händler: was für wen
Empfohlen OeMAG-Vertrag, wenn:
- Keine Energiegemeinschaft im Wohnort verfügbar
- Kein alternativer Stromhändler mit deutlich höherem Tarif vorhanden
- Anlage unter 500 kW(p)
- Eigenverbrauchsstrategie (Speicher, Lastverschiebung) bereits umgesetzt
Empfohlen Energiegemeinschaft oder alternativer Händler, wenn:
- Lokaler Marktwert deutlich höher liegt
- EEG / BEG im Ort verfügbar
- Anlagengröße den Wechselaufwand rechtfertigt
Nicht empfohlen Vertragsabschluss ohne Smart-Meter-Aktivierung: Die OeMAG kann ohne Viertelstunden-Daten nicht abrechnen. Nicht empfohlen Vertragsabschluss ohne Eigenverbrauchsstrategie. Zwischen Bezugspreis und OeMAG-Wert liegt selbst im stärksten Monat des Jahres 2026 der Faktor drei; in schwachen Monaten der Faktor fünf. Wer nur einspeist, verschenkt den größeren Teil des Werts.
Einspeisevergütung im Ländervergleich
Drei Länder, drei Modelle. Österreich ist das einzige, in dem der Wert monatlich neu entsteht. In Deutschland steht die EEG-Einspeisevergütung mit dem Anschlusstag fest und gilt 20 Jahre (Einspeisevergütung Deutschland 2026). Die Schweiz fördert die Investition einmalig und vergütet die Einspeisung laufend kaum (Photovoltaik in der Schweiz).
Für die Planung heißt das: Wer aus Deutschland kommt, rechnet mit einer festen Zahl und muss sich in Österreich auf einen Korridor einstellen. Wer aus der Schweiz kommt, bekommt hier überhaupt erst eine laufende Vergütung. In beiden Fällen bleibt die Schlussfolgerung dieselbe wie oben — der Eigenverbrauch trägt die Rechnung, nicht die Einspeisung.
Häufige Fragen
Wo finde ich den aktuellen OeMAG-Marktpreis?
Auf der OeMAG-Webseite unter „Marktpreis", rückwirkend zu Beginn jedes Folgemonats veröffentlicht.
Warum schwankt der Wert monatlich so stark?
Der Marktpreis spiegelt das Day-Ahead-Marktgeschehen: Sehr sonnige Mittagsstunden drücken den Preis, sonnenarme Phasen heben ihn. Im Sommer liegt der PV-Wert systematisch niedriger als im Winter.
Was ist Ausgleichsenergie?
Ausgleichsenergie deckt die Differenz zwischen prognostizierter und tatsächlicher Einspeisung und wird vom Marktpreis abgezogen, 2026 mit rund 0,408 ct/kWh bei PV.
Kann ich den OeMAG-Vertrag jederzeit kündigen?
Nach Ablauf der 12-Monats-Mindestbindung ja. Innerhalb der ersten 12 Monate ist Kündigung nur bei gravierenden Vertragsverletzungen möglich.
Was passiert nach dem 31.12.2030?
Die aktuelle Vertragsbasis endet zum 31.12.2030. Die Folge-Regelung hängt an der nächsten ÖSG-Novelle und ist Stand 2026 noch offen.
Lohnt sich ein OeMAG-Vertrag für ein Balkonkraftwerk?
Selten. Die laufenden Verwaltungskosten und der Smart-Meter-Aufwand übersteigen den Erlös aus der Einspeisung typischer 800-Watt-Anlagen meist deutlich.
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