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19.06.2026 · Zuletzt aktualisiert: 19.09.2026 · 4 Min. Lesezeit

Photovoltaik-Förderung NRW 2026: progres.nrw und KfW richtig kombinieren

Drei Wohnsituationen, drei Förderwege — was progres.nrw 2026 wirklich noch bietet und wie Sie Bund und Kommune sauber kombinieren.

Hero: Rheinische Stadtsilhouette mit PV-Dachlandschaft, ruhige Lichtführung.

In Suchergebnissen zu „PV-Förderung NRW 2026" steht oft die irreführende Verkürzung „progres.nrw eingestellt". Das Programm ist für Privat-Dach-PV nicht mehr offen. Für Mieterstrom-Hauselektrik in Mehrfamilienhäusern und für Spezialanwendungen wie Agri-PV, Floating-PV und Fassaden-PV läuft progres.nrw weiter, bis mindestens 30.06.2027. Für drei Wohnsituationen ergeben sich drei verschiedene Förderpfade: Eigenheim, Mieterwohnung, Vermieter mit Mieterstrom-Plänen. Dieser Beitrag sortiert die Lage sauber und zeigt, wie KfW, Kommune und progres.nrw zusammenspielen.

Das Wichtigste in Kürze

  • progres.nrw 2026: Für Privat-Dach-PV nicht mehr verfügbar; Mieterstrom-Hauselektrik und Spezialanwendungen (Agri-/Floating-/Fassaden-PV) laufen bis 30.06.2027 weiter.
  • Eigenheim-Pfad: KfW 270 + kommunale Programme (Köln, Düsseldorf, Bonn, Gelsenkirchen) + Bundespaket.
  • Mieter-Pfad: Balkonkraftwerk-Programme einzelner Städte + Mietrecht nach § 554 BGB.
  • Vermieter / WEG-Pfad: progres.nrw Mieterstrom-Hauselektrik (bis 20.000 Euro pro Netzanschluss) + KfW + Kommune.
  • Maximalförderquote für Land + Bund: 60 Prozent der Investitionskosten.
  • Bezirksregierung Arnsberg ist Bewilligungsstelle, NRW.BANK verwaltet die Programmlinien.

progres.nrw 2026, was ist drin, was ist draußen

Die häufigste Fehlinformation über NRW-PV-Förderung ist die pauschale Aussage „progres.nrw ist eingestellt". Sie trifft für einen Teil zu, für andere nicht. Die saubere Zerlegung:

Nicht mehr förderfähig über progres.nrw: Aufdach-PV-Anlagen für selbstgenutzte Privathaushalte. Diese Linie wurde Mitte der 2020er-Jahre eingestellt; Eigenheim-Eigentümer greifen seither auf das Bundespaket plus kommunale Programme zurück.

Weiter förderfähig über progres.nrw bis 30.06.2027:

  • Mieterstrom-Hauselektrik für Mehrfamilienhäuser mit mindestens drei Wohneinheiten (bis 20.000 Euro pro Netzanschluss).
  • Spezialanwendungen: Agri-Photovoltaik, Floating-Photovoltaik, Fassaden-Photovoltaik.
  • Planungs- und Beratungsleistungen für Quartierskonzepte und Energiegemeinschaften.
  • Klimaschutztechnik-Programmbereich (über die Förderlinien hinaus für PV-spezifische Forschungs- und Pilotvorhaben).

Wer als Vermieter oder WEG ein Mehrfamilienhaus mit Mieterstrom-Plan plant, hat damit eine substantielle Förderquelle, die in vielen Ratgebern verloren geht.

Was der Bund leistet

Das Bundespaket 2026 ist in NRW identisch mit dem Rest Deutschlands: KfW 270 (zinsgünstiger Kredit), EEG-Einspeisevergütung (7,70 / 12,22 ct/kWh in der 10-kWp-Klasse, Stand seit 01.08.2026), 0 Prozent Mehrwertsteuer seit 2023 (§ 12 Abs. 3 UStG), Einkommensteuer-Befreiung für Anlagen bis 30 kWp (§ 3 Nr. 72 EStG). Details in Einspeisevergütung Deutschland 2026.

Smart-Meter-Pflicht greift in NRW ab den bundesweiten Schwellen (≥ 6.000 kWh, PV ≥ 7 kWp, steuerbare Last ≥ 4,2 kW). Details in Smart Meter in DACH 2026.

Kommunal-Mosaik NRW 2026

Vier NRW-Großstädte führen 2026 eigene Förderprogramme, die mit dem Bundespaket kombinierbar sind.

StadtProgramm 2026Größenordnung

Köln

PV + Speicher

1.500–2.500 € PV, 500–1.300 € Speicher

Düsseldorf

PV + Speicher

bis 10.000 € PV, bis 10.000 € Speicher

Bonn

PV + Steckersolar

aktiv, Stand-Datum prüfen

Gelsenkirchen

PV-Anlagen Privathaushalt

aktiv

Werte als Größenordnung 2026; die exakten Sätze und Budgets werden über die Stadt-Webseiten und die NRW.BANK-Förderdatenbank publiziert. Antrag vor Auftrag ist in jeder Kommune Pflichtbedingung.

Mehrere weitere NRW-Kommunen führen kleinere Balkonkraftwerk-Programme (Bochum, Dortmund, andere). Wer als Mieter ein Steckersolar-Programm sucht, prüft die Webseite der eigenen Stadt.

Drei Wohnsituationen, drei Linien

Welche Linie für wen
  • Eigenheim, selbst genutzt: KfW 270 plus kommunaler Zuschuss. progres.nrw ist für diesen Fall zu.
  • Mieter: keine Förderung für die Dachanlage, aber Balkonkraftwerk-Programme einzelner Städte und § 554 BGB.
  • Vermieter oder WEG ab drei Wohneinheiten: progres.nrw Mieterstrom-Hauselektrik, der übersehene Hebel.

Eigenheim: KfW plus Kommune. Wer ein selbstgenutztes Eigenheim besitzt und PV nachrüsten will, kombiniert KfW 270 mit dem kommunalen Programm. Die Reihenfolge entscheidet: KfW-Antrag bei der Hausbank vor Auftragserteilung, parallel der Kommunal-Antrag bei der Stadt, danach der Vertrag mit dem Installateur. Die kommunale Förderung kommt typisch als Zuschuss, der KfW-Anteil als zinsgünstiges Darlehen. Für eine 8-kWp-Anlage in Köln summieren sich Kommunal-Zuschuss und Mehrwertsteuer-Vorteil auf einen Eigenanteil im Bereich einer klassischen Heizungsinvestition.

Mieter: Balkonkraftwerk und Mietrecht. Auf eine Aufdach-Anlage haben Mieter keinen Förderanspruch, die Anlage bleibt Sache des Eigentümers. Erlaubt ist das Balkonkraftwerk nach § 554 BGB mit Zustimmung des Vermieters, und einige NRW-Städte (Bonn, Bochum, Dortmund) fördern es im niedrigen dreistelligen Bereich. Der Weg führt über den Vermieter-Antrag mit vollständigen Unterlagen (siehe Balkonhalterung und Montage), dann den kommunalen Zuschuss, dann die Anmeldung im Marktstammdatenregister (siehe Balkonkraftwerk anmelden in Deutschland 2026).

Vermieter und WEG: die Mieterstrom-Linie. Hier liegt der Hebel, den die meisten Ratgeber übergehen. Wer ein Mehrfamilienhaus mit mindestens drei Wohneinheiten besitzt und Mieterstrom anbieten möchte, beantragt über progres.nrw die Förderung der Hauselektrik: bis zu 20.000 Euro pro Netzanschluss bei 45 Prozent der förderfähigen Kosten, für Zähler, Verteilung und die mieterstrom-spezifische Verkabelung. Zusammen mit KfW 270 für die Anlage und einem kommunalen Programm erreicht die Gesamtquote die 60 Prozent, die als Deckel für Bund-Land-Kombinationen gelten. Antragstelle ist die Bezirksregierung Arnsberg, Bagatellgrenze 350 Euro, und auch hier gilt: Antrag vor Auftrag.

Welche Linie greift in welchem Fall

WohnsituationFörder-LinienEmpfehlung

Eigenheim, Anlage ≥ 5 kWp, Auftrag nicht erteilt

KfW 270 + Kommune (Köln, Düsseldorf, Bonn, Gelsenkirchen)

Beide Anträge parallel vor Auftrag stellen

Eigenheim, kleinere Gemeinde

KfW 270 + Einspeisevergütung

Bundespaket nutzen, Kommunalrecherche optional

Mieter mit Balkonkraftwerk-Wunsch

Kommunale Balkonkraftwerk-Programme + § 554 BGB

Programm-Suche in der eigenen Stadt; Vermieter-Antrag

Vermieter / WEG ≥ 3 Wohneinheiten mit Mieterstrom-Plan

progres.nrw Hauselektrik (≤ 20.000 €) + KfW + Kommune

progres.nrw-Antrag bei Bezirksregierung Arnsberg; Max. 60 % Gesamtquote

Spezialanwendung (Agri-, Floating-, Fassaden-PV)

progres.nrw Klimaschutztechnik

NRW.BANK / Bezirksregierung Arnsberg

Auftrag bereits erteilt

Keine Förderquelle mehr

Antrag vor Auftrag ist Pflicht

Empfohlen Kommunal-Antrag plus KfW im Eigenheim-Fall.

Empfohlen progres.nrw Mieterstrom-Linie für Mehrfamilienhäuser.

Nicht empfohlen progres.nrw-Antrag für Privat-Dach-PV: Linie nicht offen, der Antrag wird abgelehnt.

Nicht empfohlen Auftragserteilung vor Antragstellung: alle Förderpfade verlangen Antrag vor Auftrag.

Verfahrens-Reihenfolge

Die Reihenfolge ist entscheidend.

  1. KfW-Antrag bei der Hausbank. Beratungstermin vereinbaren, Antrag stellen. Verbindlich vor Auftragserteilung.
  2. Kommunal-Antrag bei der Stadtverwaltung (Köln, Düsseldorf, Bonn, Gelsenkirchen). Parallel oder kurz nach dem KfW-Antrag.
  3. progres.nrw-Antrag (nur bei Mieterstrom) bei der Bezirksregierung Arnsberg über die NRW.BANK-Plattform, ebenfalls vor der Auftragserteilung.
  4. Auftrag erteilen an den PV-Installateur, nachdem alle Förderanträge eingereicht sind.
  5. Installation und MaStR-Anmeldung.
  6. Auszahlung der Zuschüsse nach Abschluss und Rechnungsvorlage.

Maximale Förderquote 60 Prozent

Die Kombination von Land + Bund ist auf 60 Prozent der förderfähigen Investitionskosten gedeckelt. Das schützt vor Überförderung, schränkt aber auch die Stapelbarkeit ein. Wer rechnet:

Was in die 60 Prozent hineinzählt
  • KfW 270 zählt mit, aber als Kredit: Der Zinsvorteil geht in die Quote ein, nicht die Kreditsumme.
  • Kommunal-Zuschuss und progres.nrw-Zuschuss zählen direkt mit ihrem Auszahlungsbetrag.
  • Unter 350 Euro greift die Bagatellgrenze; ein Antragsverfahren dafür lohnt den Aufwand nicht.

In der Praxis erreichen Eigenheim-Eigentümer typisch 30–45 Prozent Quote (Kommune + Bundespaket). Vermieter mit Mieterstrom-Plänen erreichen die volle 60-Prozent-Quote.

Bezirksregierung Arnsberg als Bewilligungsstelle

Die Bewilligungsstelle für progres.nrw-Anträge ist die Bezirksregierung Arnsberg, und zwar für ganz Nordrhein-Westfalen, nicht nur für den eigenen Regierungsbezirk. Das überrascht regelmäßig, weil der Name eine örtliche Zuständigkeit nahelegt. Eingereicht wird elektronisch über die NRW.BANK, bewilligt wird in Arnsberg.

Die Bearbeitung dauert typisch 6 bis 12 Wochen, je nach Programmlinie und Antragslage. Wer den Antrag vorbereitet, hält Investitionskosten-Voranschläge, technische Unterlagen und, falls einschlägig, das Mieterstrom-Konzept bereit. Diese Wochen gehören in die Bauplanung: Sie liegen vor dem Auftrag, nicht parallel zur Installation.

Häufige Fragen

Ist progres.nrw 2026 abgeschafft?

Nein. Für Privat-Dach-PV nicht mehr offen, aber für Mieterstrom-Hauselektrik, Spezialanwendungen und Beratung weiter aktiv bis 30.06.2027.

Kann ich progres.nrw für mein Einfamilienhaus beantragen?

Für Standard-Aufdach-PV nicht. Für Fassaden-PV oder eine Agri-PV-Pilotanlage am eigenen Grundstück: ja, in der Spezialanwendungs-Linie.

Wie hoch ist die Mieterstrom-Hauselektrik-Förderung?

Bis 20.000 Euro pro Netzanschluss, 45 Prozent der förderfähigen Kosten. Bagatellgrenze 350 Euro.

Können kleinere NRW-Städte Programme haben, die ich nicht kenne?

Ja. Die hier genannten vier sind die bekanntesten; viele weitere NRW-Kommunen führen Balkonkraftwerk-Programme oder kleinere PV-Zuschüsse. Stadtwebseite und Förderdatenbank des Bundes prüfen.

Was passiert nach 30.06.2027 mit progres.nrw?

Die NRW.BANK hat eine Anschlussregelung angekündigt, der genaue Stand ist Mai 2026 noch offen. Wer Mieterstrom plant, beantragt vor 30.06.2027.

Wie kombiniere ich KfW und Kommune sauber?

Die Reihenfolge ist KfW-Antrag bei Hausbank, dann Kommunal-Antrag. Beide vor Auftrag. Die Kommune erkennt den KfW-Antrag in der Regel als ersten Schritt an.

Brauche ich für die Vermieter-Linie einen Energieberater?

Empfohlen, vor allem für den Mieterstrom-Plan. C.A.R.M.E.N. (Bayern) und Energieagenturen anderer Länder bieten vergleichbare Beratung; in NRW ist die NRW.BANK-Beratung der primäre Ansprechpartner.

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