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16.06.2026 · 4 Min. Lesezeit

Netzausbau bis 2045: was Eigentümer mit PV davon haben

Forschungsradar

Was der NEP 2037/2045 konkret für PV-Eigentümer bedeutet — drei Zeithorizonte mit Schwellen für Speicher, Tarif und Sektorkopplung. Stand: 25.05.2026.

Netzausbau bis 2045: was Eigentümer mit PV davon haben

Der Netzentwicklungsplan Strom (NEP) 2037/2045 beschreibt, wie das deutsche Übertragungsnetz bis Mitte des Jahrhunderts ausgebaut wird. Vier Übertragungsnetzbetreiber haben den ersten Entwurf der Version 2025 am 10.12.2025 veröffentlicht; die Bundesnetzagentur bestätigt den Plan voraussichtlich Mitte 2026. Hinter den großen Zahlen (360 bis 390 Milliarden Euro, vier HGÜ-Trassen-Familien, Großbatteriespeicher als zentrale Flex-Komponente) steht für PV-Eigentümer eine genaue Frage: was bedeutet das in fünf, in zehn, in zwanzig Jahren für die eigene Anlage? Dieser Beitrag übersetzt den Plan in drei Zeithorizonte mit klaren Empfehlungen. Stand: 25. Mai 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • NEP 2037/2045 Version 2025: 1. Entwurf veröffentlicht 10.12.2025, Konsultation bis 14.01.2026, 2. Entwurf März 2026, BNetzA-Bestätigung Mitte 2026.
  • Investitionsvolumen Übertragungsnetz: 360–390 Milliarden Euro bis 2045.
  • PV und Wind machen in allen Szenarien rund 90 Prozent der installierten Erzeugungsleistung; Großbatteriespeicher tragen als zentrale Flex-Komponente in jedem Szenario einen wachsenden Anteil.
  • Netzentgelt-Folge im Haushalt: aktuell rund 8–11 ct/kWh Netzentgelte gesamt, davon 1–2 ct auf Übertragungsnetz-Ebene.
  • Verteilnetz-Lücke: der NEP behandelt nur das Übertragungsnetz, nicht die Hausverteilung; Smart Meter und Lastmanagement bleiben Eigenverantwortung.

Was der NEP 2037/2045 plant

Vier Übertragungsnetzbetreiber (Amprion, 50Hertz, TenneT, TransnetBW) entwickeln den NEP gemeinsam im Auftrag der Bundesnetzagentur. Die Version 2025 deckt den Planungshorizont bis 2037 (mittelfristig) und bis 2045 (langfristig) ab. Der erste Entwurf liegt seit dem 10. Dezember 2025 zur Konsultation aus; nach Auswertung der Stellungnahmen folgt ein zweiter Entwurf im März 2026, die BNetzA-Bestätigung steht Mitte 2026 an.

Die zentralen Bausteine: HGÜ-Trassen der Familien DC4x und DC4x-plus, die Wind-Erzeugung aus Norddeutschland in die Verbrauchszentren Süddeutschlands transportieren; Offshore-Anschlüsse an die Nord- und Ostsee-Windparks; Großbatteriespeicher als netzdienliche Flex-Komponente; Sektorkopplungs-Pilotzonen für die synchronisierte Planung von Strom, Wasserstoff und Wärme.

Schema der vier NEP-Bausteine: Offshore-Wind, HGÜ-Korridor, Großbatteriespeicher und ein Sektorkopplungs-Knoten, verbunden zum Verbrauchszentrum Süd.
Schema der vier NEP-Bausteine: Offshore-Wind, HGÜ-Korridor, Großbatteriespeicher und ein Sektorkopplungs-Knoten, verbunden zum Verbrauchszentrum Süd.

Drei Szenarien (A/B/C) variieren Verbrauchsentwicklung, Erzeugungsmix und Speicherquote. In allen Szenarien wird der Stromverbrauch durch Wärmepumpen, Elektromobilität und Wasserstoff-Elektrolyse deutlich steigen; der Plan bildet diese Verschiebung ab.

PV und Wind 90 Prozent der Erzeugung

In den NEP-Szenarien machen PV und Wind zusammen rund 90 Prozent der installierten Erzeugungsleistung 2037. Das hat zwei Folgen für PV-Eigentümer.

Erstens: Der Marktwert von Einspeise-Strom in Sonnenstunden tendiert über die Zeit nach unten, weil das Angebot in diesen Stunden sehr groß wird. Die EEG-Einspeisevergütung sichert für Bestandsanlagen die Vergütung über 20 Jahre; Details in Einspeisevergütung Deutschland 2026. Nach Ablauf der Vergütungszeit (Ü20) wird die Direktvermarktung am Marktpreis zur Standard-Lösung, mit entsprechend volatiler Erlöslage.

Zweitens: Der Wert von Eigenverbrauch und Lastverschiebung steigt. Wer den eigenen Solarstrom selbst nutzt statt einspeist, gewinnt doppelt: die ersparten Netzkosten bleiben, der Marktpreisrisiko-Anteil sinkt.

Großbatteriespeicher als Flex-Komponente

Ein zentraler Baustein des NEP ist der Ausbau von netzdienlichen Großbatteriespeichern. Sie übernehmen die zeitliche Verschiebung zwischen Erzeugung und Nachfrage auf der Netzebene, eine Funktion, die früher Pumpspeicher- und Gaskraftwerke geleistet haben.

Diese Großspeicher ersetzen den Heimspeicher nicht. Im Gegenteil: die ergänzende Logik bedeutet, dass Eigenverbrauchs-Optimierung im Haushalt mit der netzdienlichen Lastflexibilität auf höherer Ebene zusammenspielt. Wer einen Heimspeicher mit smartem Energiemanagement betreibt, ist Teil dieser Architektur. Details zur Speicher-Wahl in Mit oder ohne Speicher und Speicher-Größe nach Jahresverbrauch.

Was das auf Ihre Netzentgelte heißt

Was das auf Ihre Netzentgelte heißt

Stromrechnungen enthalten Netzentgelte als eigenen Posten. Sie setzen sich aus zwei Ebenen zusammen: dem Übertragungsnetz-Anteil (überregional, vom NEP betroffen) und dem Verteilnetz-Anteil (lokal, vom Netzbetreiber bestimmt). Aktueller Mittelwert in Deutschland 2026: rund 8–11 ct/kWh gesamt, je nach Region und Verbrauchsklasse. Der Übertragungsnetz-Anteil liegt bei rund 1–2 ct/kWh; er ist der Teil, der direkt mit dem NEP-Ausbau steigt oder fällt. Der größere Verteilnetz-Anteil hängt an regionalen Investitionen, die im NEP nicht abgedeckt sind. Konkret heißt das: Der NEP-Ausbau wirkt auf Ihre Netzentgelte messbar, aber nicht dramatisch. Die Bandbreite plausibler Entwicklungen liegt zwischen leichten Erhöhungen (höherer Übertragungsnetz-Aufwand) und mittelfristigen Senkungen (mehr Effizienz im Großnetz). Eine pauschale „Stromnetz-Kostenexplosion" ist nicht der wahrscheinlichste Pfad. Wer die Tarif-Folge konkret verfolgt, prüft den Smart Meter als Voraussetzung: Smart Meter in DACH 2026.

Regionale Folgen: Nord-Süd-Spaltung

Die HGÜ-Trassen der Familie DC4x sind zentrale Süd-Anschluss-Linien; sie führen Windstrom aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nach Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Drei regionale Folgen ergeben sich.

In PV-reichen Regionen (Bayern, Baden-Württemberg, Saarland) ist die zentrale Abnahme des eigenen Solarstroms erleichtert: die HGÜ-Trassen führen den überschüssigen Norddeutschland-Wind heran, Engpässe in Süd-Verteilnetzen werden überbrückt. Das Abregelungs-Risiko für kleine PV-Anlagen bleibt begrenzt.

In Wind-reichen Regionen (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) entsteht ein Übergewicht an Einspeise-Konzentration. Lokale Netzanschluss-Lage und Verteilnetz-Kapazität werden hier wichtiger; einzelne neue Anlagen können auf Wartezeiten beim Netzanschluss treffen.

In Mitte-Regionen (Hessen, Thüringen, Sachsen) verteilt sich die Last-Erzeugungs-Lage gleichmäßiger; der NEP wirkt hier vermittelnd.

Verteilnetz-Lücke

Eine wichtige Klarstellung: Der NEP behandelt das Übertragungsnetz, nicht das Verteilnetz. Das heißt: 380-kV-Trassen, HGÜ-Verbindungen, Offshore-Anschlüsse sind Plan-Gegenstand. Die letzten Meter vom Verteilnetzbetreiber zum Haus, die Niederspannungs-Verteilung, die Anschlusskapazität an der Straße: alles nicht im NEP.

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) weist seit Jahren auf diese Lücke hin. Für PV-Eigentümer bedeutet das: Die Anschlussbedingungen an der Straße werden vom lokalen Verteilnetzbetreiber bestimmt, nicht vom NEP-Pfad. Smart Meter, § 14a-Anmeldung und Lastmanagement bleiben in der Eigenverantwortung. Der NEP-Ausbau macht diese Schritte sogar wichtiger.

Drei Zeithorizonte für Eigentümer

Zeitstrahl 2025 bis 2045 mit den NEP-Meilensteinen: erster Entwurf, Konsultation, zweiter Entwurf, BNetzA-Bestätigung sowie die Horizonte 2037 und 2045.
Zeitstrahl 2025 bis 2045 mit den NEP-Meilensteinen: erster Entwurf, Konsultation, zweiter Entwurf, BNetzA-Bestätigung sowie die Horizonte 2037 und 2045.
ZeithorizontWas wirktEmpfehlung

Heute (2026–2027)

Konsultation NEP 1. Entwurf, BNetzA-Bestätigung Mitte 2026

PV-Anlage anmelden, MaStR aktuell halten; Smart-Meter-Bereitschaft prüfen. Keine NEP-bezogene Sonderinvestition.

5 Jahre (2028–2030)

Erste HGÜ-Trassen DC4x in Betrieb, Großbatteriespeicher-Ausbau läuft

Speicher-Größe nach Verbrauch klären, Lastprofil mit dynamischem Tarif kombinieren. Eigenverbrauchs-Spielraum wächst.

10 Jahre (2031–2035)

Übertragungsnetz nahezu komplett, Pilotquartiere Sektorkopplung

Wärmepumpe + PV + Speicher-Verbund prüfen, Brennstoffzelle nur in Pilotfällen.

Sonderfall PV-reiche Region (Süden)

HGÜ-Abnahme zentral

Speicher-Anreiz hoch, Abregelungs-Risiko bei kleinen Anlagen begrenzt

Sonderfall Wind-reiche Region (Norden)

Einspeise-Konzentration

Lokale Verteilnetz-Lage prüfen, Anschlussbedingungen mit Netzbetreiber klären

Heute ist die wirtschaftlich sinnvolle Antwort die saubere Anmeldung und Smart-Meter-Bereitschaft. In fünf Jahren wird die Speicher- und Tarif-Entscheidung zentraler. In zehn Jahren wandern Wärmepumpe und Sektorkopplung ins Standard-Setup.

Drei-Spalten-Schema mit den Zeithorizonten heute, fünf Jahre und zehn Jahre samt Empfehlungen für PV-Eigentümer.
Drei-Spalten-Schema mit den Zeithorizonten heute, fünf Jahre und zehn Jahre samt Empfehlungen für PV-Eigentümer.
Stilisierte Deutschland-Karte mit HGÜ-Trassen-Linien zwischen Windrädern im Norden und PV-Symbolen im Süden, beschriftet nach Nord-, Mitte- und Süd-Zone.
Stilisierte Deutschland-Karte mit HGÜ-Trassen-Linien zwischen Windrädern im Norden und PV-Symbolen im Süden, beschriftet nach Nord-, Mitte- und Süd-Zone.

DACH-Brücke

In Österreich entwickelt Austrian Power Grid (APG) den eigenen Netzentwicklungsplan mit ähnlichem Aufbau, Schwerpunkt Übertragungsnetz und Wind-PV-Ausbau. In der Schweiz steuert Swissgrid das Strategische Netz 2040 mit ähnlichen HGÜ- und Großspeicher-Bausteinen. Die jeweiligen Heimanlagen-Folgen ähneln dem DE-Bild, regulatorische Detailpfade unterscheiden sich. Details in Balkonkraftwerk anmelden in Österreich und Photovoltaik in der Schweiz.

Ruhige Landschaft mit PV-Haus im Vordergrund und Hochspannungsmast als Liniengerüst im Hintergrund.
Ruhige Landschaft mit PV-Haus im Vordergrund und Hochspannungsmast als Liniengerüst im Hintergrund.

Wer den NEP-Hintergrund einordnet, geht jetzt zwei Schritte:

  • Smart Meter in DACH 2026: der nächste Schritt fürs Eigenheim.

Häufige Fragen

Steigt mein Strompreis wegen des Netzausbaus?

Tendenziell ja, in moderater Größenordnung: der Übertragungsnetz-Anteil der Netzentgelte könnte über die Jahre leicht steigen. Pauschal "Strom wird viel teurer" ist aber nicht belegt; der Verteilnetz-Anteil und der reine Energiepreis wiegen schwerer.

Muss ich wegen des NEP jetzt schneller eine PV-Anlage installieren?

Nein. Die EEG-Einspeisevergütung läuft halbjährlich nach Degression weiter. Eine PV-Anlage rechnet sich heute über den Eigenverbrauch, nicht über NEP-Entwicklungen.

Was bedeutet HGÜ konkret?

HGÜ steht für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Gemeint sind Trassen, die Strom über lange Distanzen mit geringeren Verlusten transportieren als klassische Wechselstrom-Leitungen. Die DC4x-Familie sind die zentralen Süd-Anschluss-Linien.

Bin ich vom NEP-Ausbau direkt betroffen?

Wenn eine Trasse in Ihrer Region geplant ist, ja, über das öffentliche Verfahren mit Konsultationen und Bürgerbeteiligung. Sonst indirekt über die Netzentgelte und die Anschluss-Logik im Verteilnetz.

Was ist der Unterschied zwischen NEP und kommunaler Wärmeplanung?

Der NEP ist die Strom-Übertragungsnetz-Planung. Die kommunale Wärmeplanung (Gesetz seit 2024) regelt die Wärmeversorgung der Gemeinde. Beides berührt PV-Eigentümer, ist aber regulatorisch getrennt.

Wann sollte ich meine PV-Anlage anpassen?

Aktuell nicht. Der NEP wirkt langfristig und nicht akut. Die Anpassung folgt eher individuellen Lebenslagen wie Wärmepumpe, E-Auto oder Renovierung als dem NEP-Versionswechsel.

Quellen und Stand

Quellen

  1. [1]Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045 Version 2025 (1. Entwurf, 10.12.2025), netzentwicklungsplan.de
  2. [2]Bundesnetzagentur: Genehmigung Szenariorahmen 2025
  3. [3]TSO-Konsortium (Amprion, 50Hertz, TenneT, TransnetBW): Pressemitteilung 10.12.2025
  4. [4]Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE): Stellungnahme Verteilnetz-Lücke 2026
  5. [5]Austrian Power Grid (APG): Netzentwicklungsplan 2024
  6. [6]Swissgrid: Strategisches Netz 2040
  7. [7]§ 30 EnWG (Netzentgelt-Wälzung)

Nächste Prüfung dieses Beitrags: 25.11.2026 (NEP-Versions-Updates alle 2 Jahre).

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