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02.07.2026 · 4 Min. Lesezeit

Eigenes Lastprofil aus Smart-Meter-Daten: was die 15-Minuten-Werte verraten

Tarif und Verbrauch

Wie Sie aus iMSys-Daten ein eigenes Lastprofil ableiten — drei Auslese-Wege, HAN-Schnittstelle, Open-Source-Stack. Stand: 28.05.2026.

Eigenes Lastprofil aus Smart-Meter-Daten: was die 15-Minuten-Werte verraten

Smart Meter erfassen Strom in 15-Minuten-Auflösung. Was als Pflicht-Rollout der Bundesnetzagentur klingt, ist für Haushalte auch ein Datenschatz. Wer das eigene Lastprofil kennt, entscheidet datenbasiert über Speichergröße, dynamischen Tarif, Wärmepumpen-Lastverschiebung oder Wallbox-Lastmanagement. Drei Wege führen zur Auswertung: Anbieter-Portal, HAN-Modul, Open-Source-Stack. Stand: 28. Mai 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • 15-Minuten-Werte sind der Standard im iMSys, an Messstellenbetreiber übermittelt, lokal über HAN-Schnittstelle abrufbar.
  • Drei Auslese-Wege: Anbieter-Portal (einfach, oberflächlich), HAN-Modul (mittel, lokal), Open-Source-Stack (tief, technisch anspruchsvoll).
  • HAN-Schnittstelle nach BSI TR-03109 ist Pflichtbestandteil jedes iMSys in DE.
  • Standby-Lasten typisch 50–150 W Dauerverbrauch, das sind 500–1.300 kWh/Jahr ungenutzt.
  • Open-Source-Stack (Home Assistant + EVCC) als Datenhoheits-Variante ohne Anbieter-Cloud.
  • Empfohlen bei anstehender Entscheidung zu Speicher, Tarif oder Wärmepumpe.
  • Stand: 28.05.2026, nächste Prüfung 28.11.2026.

Was 15-Minuten-Werte zeigen

Ein Lastprofil-Tag besteht aus 96 Datenpunkten. Diese zeigen vier Größen:

Lastprofil-Ausschnitt von sechs bis zehn Uhr mit 15-Minuten-Balken und markiertem Wasserkocher-Spitzenwert von rund 2.000 Watt.
Lastprofil-Ausschnitt von sechs bis zehn Uhr mit 15-Minuten-Balken und markiertem Wasserkocher-Spitzenwert von rund 2.000 Watt.

Grundlast (Stand-by-Verbrauch): die dauerhaft anliegende Leistung, typisch zwischen 50 und 200 Watt. Setzt sich aus Kühlschrank-Kompressor-Zyklen, Internet-Router, Set-Top-Box, Standby-Anschlüssen, Heizungs-Steuerung zusammen. Mehr-Personen-Haushalte landen oft bei 150–200 W.

Spitzen: kurze Lastspitzen durch Großgeräte. Wasserkocher 2.000 W, Geschirrspüler 2.500 W, Wäschetrockner 3.500 W, Wallbox 7.400 W. Diese Spitzen prägen die maximale Anschlussleistung.

Plateau: längere Mittel-Last-Phasen wie Beleuchtung 100–300 W, Wärmepumpe 1.000–2.500 W im Heiz-Lauf, Wallbox-Lade-Phase. Plateau-Verbrauch ist der wirtschaftlich relevanteste Bereich für dynamische Tarife.

Saison-Muster: Tagesgang Sommer (niedrige Heiz-Last, hohe Klimatisierung) vs. Winter (Wärmepumpe, längere Beleuchtung). Wer das Lastprofil zwei Wochen sammelt, sieht die Saison-Trends.

Ein Vier-Personen-Haushalt mit Standard-Verbrauch zeigt typisch zwei Lastspitzen (morgens 7–9 Uhr, abends 18–21 Uhr), eine Plateau-Phase mittags und Grundlast in der Nacht.

Drei Wege zum Auslesen

Weg 1, Anbieter-Portal: Ihr Stromlieferant zeigt im Online-Portal eine Verbrauchs-Übersicht. Bei den meisten Anbietern Tagesauflösung, bei modernen Anbietern (Tibber, aWATTar, einige Stadtwerke) bis zur 15-Minuten-Auflösung. Datenformat: PDF-Export oder CSV. Vorteil: kein technisches Setup. Nachteil: Daten kommen verzögert (typisch 1–3 Tage), Auflösung oft auf Tag oder Stunde reduziert.

Weg 2, HAN-Modul: Ein externes HAN-Schnittstellen-Modul (z. B. Tibber Pulse, Hager HAN-Kit, oder ein generisches HAN-Modul) liest die Daten direkt am iMSys-Gateway aus. Echtzeit-Werte, Cloud-Anbindung über Anbieter (Tibber-App o. ä.). Aufwand: Anschluss des Moduls (Plug-and-Play), 50–150 € Hardware-Kosten.

Weg 3, Open-Source-Stack: Home Assistant oder EVCC läuft auf einem Raspberry Pi, liest die HAN-Daten lokal aus, speichert sie in einer eigenen Datenbank, visualisiert sie in eigenen Dashboards. Vorteil: vollständige Datenhoheit, keine Cloud-Abhängigkeit, unbegrenzte Speicher-Tiefe. Aufwand: Linux-Setup, HAN-Modul-Konfiguration, 2–4 Stunden Einrichtung für technisch versierte Nutzer.

HAN-Schnittstelle und TR-03109-Standard

Jedes iMSys in Deutschland muss eine HAN-Schnittstelle (Home Area Network) haben, geregelt durch die BSI-Technische-Richtlinie TR-03109. Diese Schnittstelle liefert die Lastgang-Daten in Echtzeit an das Heim-Netzwerk.

Verbindungs-Schema von Smart Meter über HAN-Modul und Heimnetz-Router zu einem lokalen Auswerte-PC.
Verbindungs-Schema von Smart Meter über HAN-Modul und Heimnetz-Router zu einem lokalen Auswerte-PC.

Die HAN-Schnittstelle wird lokal abgefragt. Der Abruf läuft im Heim-Netz ab, ohne Cloud-Umweg und ohne Anbieter-Vermittlung. Datenschutz-Anforderungen: das HAN-Gerät spricht nur mit Geräten im selben Netz, eine Cloud-Anbindung läuft nur auf ausdrücklichen Wunsch.

Welche Daten kommen über HAN? Aktueller Lastwert, kumulierte Wirkarbeit, ggf. Phasen-Spannungs- und Stromwerte. Manche HAN-Module liefern auch Reaktiv-Energie und Frequenz, relevant für tiefere technische Auswertungen.

Aktivierung der HAN-Schnittstelle: einmaliger Antrag beim Messstellenbetreiber. In der Regel kostenfrei, Bearbeitungszeit 1–4 Wochen. Manche Messstellenbetreiber liefern das HAN-Modul direkt mit.

Lastprofil-Muster typischer Haushalte

Haushalts-GrößeGrundlastTages-SpitzenJahresverbrauch

1-Person (Mietwohnung, ohne Wärmepumpe)

50–80 W

1.500–2.500 W

1.200–1.800 kWh

2-Personen (Eigentum oder Miete)

100–150 W

2.500–4.000 W

2.000–3.000 kWh

4-Personen (Eigentum, ohne Wärmepumpe)

150–200 W

4.000–6.000 W

3.500–5.000 kWh

4-Personen (Eigentum, Wärmepumpe)

200–300 W

5.000–7.500 W

6.000–9.000 kWh

4-Personen + Wallbox + Wärmepumpe

250–400 W

8.000–11.000 W

9.000–14.000 kWh

Werte als Größenordnung. Eigene Auswertung kann von diesen Mustern abweichen. Homeoffice tagsüber verändert das Lastbild deutlich, gewerbliche Mitnutzung (Hausarzt-Praxis, Werkstatt im Erdgeschoss) ebenfalls.

Was Sie aus dem Profil ableiten können

Drei zentrale Erkenntnisse aus einem 2-Wochen-Lastprofil:

Eigenverbrauchsfenster für PV: Wie viele Stunden tagsüber liegt der Verbrauch in einem Bereich, der einem typischen PV-Erzeugungs-Niveau entspricht? Daraus folgt die Speicher-Schwelle. Details in Speicher-Größe nach Jahresverbrauch.

Flexibler Lastanteil für dynamischen Tarif: Welche Lasten sind zeitlich verschiebbar, etwa Wärmepumpe, Wallbox, Geschirrspüler, Wäschetrockner? Daraus folgt die Lohnenswertigkeits-Schwelle für dynamische Tarife. Details in Dynamischer Stromtarif.

Standby-Optimierungs-Potential: Welche Geräte tragen zur Grundlast bei? Ein 200-W-Standby summiert sich auf rund 1.750 kWh/Jahr. Bei 30 ct/kWh sind das 525 € Jahres-Kosten. Optimierungs-Hebel: ältere Set-Top-Boxen tauschen, Steckerleiste-Abschalter, Standby-Sensoren prüfen.

Wenn die Lastprofil-Auswertung den dynamischen Tarif zur Entscheidung bringt, vertieft die Schwellen-Tabelle in Dynamischer Stromtarif die nächsten Schritte.

Aufgeklappter generischer Laptop mit abstrakter Kurve auf dem Bildschirm in einem ruhigen Wohnraum.
Aufgeklappter generischer Laptop mit abstrakter Kurve auf dem Bildschirm in einem ruhigen Wohnraum.

Open-Source-Stack: Home Assistant + EVCC

Open-Source-Stack: Home Assistant + EVCC

Der Open-Source-Stack ist die unterschätzte Option für technisch versierte Haushalte. Zwei Hauptkomponenten: Home Assistant ist eine Open-Source-Heimautomatisierungs-Plattform. Sie verbindet Smart-Meter-HAN-Modul, PV-Wechselrichter, Wallbox, Wärmepumpe und andere Geräte in einer lokalen Datenbank und liefert Dashboards. Läuft auf einem Raspberry Pi 4/5 oder einem Mini-PC. Hardware-Kosten ab 100 €. EVCC (Electric Vehicle Charge Controller) ist eine spezialisierte Software für Lastmanagement und Tarif-Integration. Verbindet sich mit Wallbox, Speicher und dynamischen Tarif-Anbietern. Häufig im Verbund mit Home Assistant betrieben. Vorteile des Open-Source-Stacks:

  • Vollständige Datenhoheit, keine Cloud-Abhängigkeit
  • Daten-Historie unbegrenzt, lokale Speicherung
  • Eigene Dashboards und Auswertungen
  • Integration mit anderen Smart-Home-Komponenten
  • Keine laufenden Cloud-Kosten

Nachteile:

  • Initial-Setup 2–4 Stunden für technisch versierte Nutzer
  • Linux-Grundlagen sinnvoll
  • Bei Hardware-Defekt selbstständige Wiederherstellung

Wer den Aufwand investiert, gewinnt Datenhoheit, die mit kommerziellen Lösungen 2026 in dieser Tiefe nicht erreichbar ist.

Empfehlung mit Schwelle

BedingungEmpfehlung

iMSys aktiv, konkrete Speicher-Frage offen

Lastprofil auswerten, Eigenverbrauchsfenster zählen

iMSys aktiv, dynamischer Tarif geplant

Lastprofil auswerten, flexiblen Lastanteil schätzen

iMSys aktiv, Wärmepumpe oder Wallbox geplant

Lastprofil + § 14a-Anmeldung kombinieren

iMSys aktiv, ohne konkreten Entscheidungs-Kontext

optional, informierter ohne klare Konsequenz

iMSys noch nicht aktiv (moderne Messeinrichtung oder kein Smart Meter)

Lastprofil-Auswertung nicht möglich; Smart-Meter-Beschleunigung (Brücke #24)

Datenschutz-Bedenken bei Cloud-Anbieter

Open-Source-Stack mit lokaler HAN-Schnittstelle

Einfache Übersicht reicht

Anbieter-Portal (Tagesauflösung)

Tiefe Auswertung gewünscht

Home Assistant + EVCC + HAN-Modul

Empfohlen Lastprofil-Auswertung bei konkretem Entscheidungs-Kontext (Speicher-Größe, Tarif-Wechsel, Wärmepumpen-Steuerung).

Empfohlen Open-Source-Stack bei Datenhoheits-Priorität.

Nicht empfohlen Lastprofil-Auswertung „auf Vorrat" ohne klare Frage. Daten ohne Konzept bleiben ungenutzt.

DACH-Brücke

DACH-Brücke

In Österreich sind 96,9 Prozent der Endverbraucher mit iMSys ausgestattet, aber nur 12,6 Prozent haben die Viertelstunden-Aktivierung beim Netzbetreiber beantragt. Wer in Österreich auswertet, beantragt zuerst die Aktivierung. Details in Smart Meter in DACH 2026. In der Schweiz ist der Rollout kantonal heterogen; HAN-Standards folgen ähnlichen Prinzipien wie in Deutschland. Details in Photovoltaik in der Schweiz. Wer aus dem Lastprofil die nächste Entscheidung ableitet, findet hier die passenden Schwellen:

Häufige Fragen

Brauche ich technische Vorkenntnisse für die Lastprofil-Auswertung?

Für das Anbieter-Portal: keine. Für das HAN-Modul: Plug-and-Play. Für den Open-Source-Stack: Linux-Grundlagen sinnvoll.

Was kostet das HAN-Modul?

Tibber Pulse: rund 100 €. Hager und Drittanbieter: 50–150 €. Manchmal von Messstellenbetreibern direkt mitgeliefert.

Ist die HAN-Schnittstelle sicher?

Ja, lokale Kommunikation im Heim-Netz. Cloud-Anbindung läuft nur über Geräte, die der Nutzer explizit konfiguriert. BSI-Zertifizierung (TR-03109) garantiert grundlegende Sicherheitsstandards.

Wie lange sollte ich auswerten?

Mindestens 2 Wochen für ein repräsentatives Tagesgang-Bild. Für Saison-Trends 12 Monate. Open-Source-Stacks speichern langfristig.

Kann ich Daten aus dem Anbieter-Portal exportieren?

Bei den meisten Anbietern ja, als CSV. Spreadsheet-Auswertung mit Excel oder LibreOffice ist eine pragmatische Variante zwischen Anbieter-Portal und Open-Source-Stack.

Was ist EVCC?

Electric Vehicle Charge Controller, eine spezialisierte Open-Source-Software für Lastmanagement, Wallbox-Steuerung und dynamische Tarif-Integration. Open-Source-Projekt mit aktiver Community.

Quellen und Stand

Quellen

  1. [1]§ 41a EnWG (Anbieter-Pflicht dynamische Tarife), § 14a EnWG (steuerbare Verbraucher)
  2. [2]BSI TR-03109 (HAN-Schnittstellen-Spezifikation)
  3. [3]HTW Berlin: Lastprofil-Forschung
  4. [4]Verbraucherzentrale: Lastprofil-Auswertungs-Ratgeber 2026
  5. [5]Home Assistant Community: Smart-Meter-Integrations-Dokumentation
  6. [6]EVCC-Projekt: Open-Source-Dokumentation

Nächste Prüfung dieses Beitrags: 28.11.2026.

Animation: Lastprofil-Tagesgang über 24 h mit Grundlast, Spitzen und Plateau.
KI-Unterstützung
Text
Claude Opus & Sonnet
Bilder
Codex ImageGen 2

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