Am 16. August 2026 lag das Tagestief der deutschen Day-Ahead-Auktion bei 2,289 Cent/kWh und die Abendspitze bei 21,504 Cent/kWh.[6] Auf der Abrechnung steht am Monatsende trotzdem kein anderer Betrag, solange Ihr Verbrauch weiter in der teuren Abendzeit liegt.
Die Spotmarkt-Kurve beantwortet deshalb nicht zuerst die Frage, wann Strom billig ist. Sie zeigt, wann Ihre eigenen Kilowattstunden teuer werden. Erst wenn diese beiden Kurven zusammenkommen, entsteht eine Entscheidung: verschieben, laufen lassen oder den Tag abhaken.
Das Wichtigste in Kürze
- 96 Zeitfenster je Tag: Die Day-Ahead-Kurve entsteht am Vortag; seit 01.10.2025 gilt die Viertelstunde als Marktzeiteinheit, also mit 96 Zeitfenstern je Tag.[1][2]
- Der Tagesdurchschnitt täuscht: Ein Haushalt mit Abendlast zahlt nicht den arithmetischen Mittelwert, sondern einen verbrauchsgewichteten Preis.
- Die Cent-Differenz zählt: Netzentgelte, Steuern und Anbieterbestandteile kommen oben drauf, aber der absolute Abstand zwischen Tief und Spitze bleibt erhalten.
- Der Beispieltag zeigt die Größenordnung: 2,5 kWh verschiebbare Last bringen beim belegten Preisabstand vom 16. August 2026 rund 48 Cent an diesem Tag.[6]
- Manche Tage tragen keine Verschiebung: Entscheidend ist der Abstand zwischen Ihrem Verbrauchsfenster und einem erreichbaren Alternativfenster. Die Uhrzeit allein reicht dafür nicht.
Wo die Kurve herkommt und wann sie feststeht
Die Day-Ahead-Kurve entsteht in der Auktion für den Folgetag. Die Preise stehen nach dem Mittag fest und ändern sich für diese Auktion danach nicht mehr.
Der wichtige Ablauf ist kurz: Marktteilnehmer geben ihre Gebote für den nächsten Tag ab, die Auktion bildet für jedes Zeitfenster einen Preis, und das letzte noch benötigte Angebot setzt den Preis.[1][2] Diese Marktmechanik erklärt, warum viel Wind und Sonne häufig niedrigere Preise erzeugen, während Abendlast und wenig erneuerbare Einspeisung die Kurve heben.
Ein Tag besteht in dieser Kurve aus 96 Viertelstunden, nicht aus 24 Stunden. Der europäische Day-Ahead-Markt rechnet seit dem 01.10.2025 in 15-Minuten-Schritten.[2] Wer nur den Stundenmittelwert liest, mittelt die Viertelstunde weg, in der Herd und Wärmepumpe gleichzeitig laufen.
Die vier Zonen eines normalen Tages
Eine normale Tageskurve hat vier wiederkehrende Zonen: Nachttal, Morgenrampe, Mittagsmulde und Abendspitze. Diese Zonen sind ein Muster. Eine Garantie sind sie nicht.
| Zone | typisches Fenster | Ursache | Wann sie ausfällt |
|---|---|---|---|
Nachttal | ca. 0 bis 5 Uhr | niedrige Last, wenig Gewerbeverbrauch | Flaute, Kältewelle, hoher Grundlastbedarf |
Morgenrampe | ca. 6 bis 9 Uhr | Haushalte und Gewerbe starten | Wochenende, Feiertag, milde Saison |
Mittagsmulde | ca. 11 bis 15 Uhr | PV-Einspeisung drückt den Preis | Winter, Hochnebel, schwache Solarleistung |
Abendspitze | ca. 17 bis 21 Uhr | Haushaltslast trifft sinkende PV-Erzeugung | sehr windreiche Tage oder flache Nachfrage |
Die Tabelle ist keine Startanweisung für Geräte. Sie ist die erste Sortierung der Kurve. Wenn Ihre Spülmaschine morgens läuft, hilft das Mittagsfenster nur, wenn der Start in dieses Fenster verschiebbar ist.

Warum der Tagesdurchschnitt die falsche Zahl ist
Viele Preis-Widgets zeigen zuerst den Tagesdurchschnitt. Er wirkt wie die zentrale Zahl des Tages, weil er Tiefs und Spitzen zu einem glatten Wert zusammenzieht. Genau dadurch verliert er aber den Haushalt aus dem Blick.
Am 16. August 2026 betrug das arithmetische Tagesmittel 13,807 Cent/kWh, das Mittagstief um 12:45 Uhr 2,289 Cent/kWh und die Abendspitze um 22:00 Uhr 21,504 Cent/kWh.[6] Ein Haushalt, der seinen Verbrauch gleichmäßig über alle 96 Viertelstunden verteilt, läge nahe am Tagesmittel. Das repräsentative BDEW-Haushaltsprofil verteilt den Verbrauch dagegen ungleich über den Tag und bildet ausgeprägte Lastphasen ab.[7] Sein eigener Mittelwert liegt deshalb nicht automatisch auf der Zahl, die das Widget prominent ausweist.
STUDIENBEFUND
Tagesmittel ist nicht automatisch Haushaltspreis
| Kategorie | Wert (ct/kWh) |
|---|---|
| Tagesmittel | 13,81 |
| Mittag | 2,29 |
| Abend | 21,5 |
Quelle: Bundesnetzagentur SMARD, Day-Ahead-Auktionspreise DE/LU 16.08.2026; BDEW Standardlastprofile Strom; eigene Modellrechnung
Die Stundenkurve sagt Ihnen nicht, wann Strom günstig ist, sondern wie teuer Ihre eigenen Gewohnheiten sind. Die richtige Kennzahl ist der verbrauchsgewichtete Preis: jede Kilowattstunde zählt mit dem Preis der Viertelstunde, in der sie anfällt. Der Tagesdurchschnitt ist nur der Preis eines Haushalts, den es praktisch nicht gibt.
Markieren Sie im eigenen Tagesprofil die Kilowattstunden in den teuren Viertelstunden. Erst diese markierten Werte zeigen, ob die Kurve eine Ersparnis enthält. Ein tiefes Mittagstal bringt nichts, wenn Ihr steuerbarer Verbrauch in dieser Zeit bei null liegt.

Was von der Börsenkurve auf Ihrer Rechnung ankommt
Auf der Rechnung landet der Börsenpreis plus ein weitgehend zeitkonstanter Block aus Netzentgelt, Steuern, Abgaben und Anbieteraufschlag. Die Schwankung des Börsenpreises bleibt dabei in voller Cent-Höhe erhalten; nur der prozentuale Abstand ist kleiner.[3]
Liegt der Börsenpreis um 12:45 Uhr bei 2,289 Cent/kWh und um 22:00 Uhr bei 21,504 Cent/kWh, beträgt der Abstand 19,215 Cent/kWh.[6] Kommen in einer Modellrechnung auf beide Zeitfenster 20 Cent/kWh feste Bestandteile, stehen im Endkundenpreis 22,289 Cent/kWh gegen 41,504 Cent/kWh. Der relative Unterschied schrumpft deutlich, aber die verschiebbare Kilowattstunde spart weiter 19,215 Cent.
STUDIENBEFUND
Fester Aufschlag hebt beide Fenster, nicht den Abstand
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| 12:45 — Börsenpreis | 2,29 ct/kWh |
| 12:45 — Modell-Endpreis | 22,29 ct/kWh |
| 22:00 — Börsenpreis | 21,5 ct/kWh |
| 22:00 — Modell-Endpreis | 41,5 ct/kWh |
Quelle: Bundesnetzagentur SMARD 16.08.2026; Bundesnetzagentur Verbraucherportal dynamische Stromtarife; eigene Modellrechnung mit 20 ct/kWh festen Bestandteilen
Deshalb ist der Prozentabstand die falsche Lesebrille. Je kleiner die verschiebbare Menge ist, desto genauer muss diese Differenz geprüft werden.

Ein Tag durchgerechnet: was Verschieben an einem Beispieltag bringt
Für die Beispielrechnung zählt ein plausibler Haushaltstag mit offen gelegter Annahme. Annahme: 3.500 kWh Jahresverbrauch, davon 2,5 kWh an diesem Tag verschiebbar, etwa durch Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner.
Der Beispieltag nutzt die oben genannten SMARD-Werte vom 16. August 2026: Tagesmittel 13,807 Cent/kWh, erreichbares Mittagstief 2,289 Cent/kWh, Abendfenster 21,504 Cent/kWh.[6] Werden 2,5 kWh aus dem Abendfenster ins Mittagstief gelegt, beträgt die Differenz 19,215 Cent/kWh. Die Tagesersparnis liegt damit bei 2,5 kWh × 19,215 Cent/kWh = 48,04 Cent.
STUDIENBEFUND
16.08.2026: Tal, Mittel und Spitze
| Kategorie | Wert (ct/kWh) |
|---|---|
| Tagesmittel | 13,81 |
| Minimum 12:45 | 2,29 |
| Maximum 22:00 | 21,5 |
Quelle: Bundesnetzagentur SMARD, Day-Ahead-Auktionspreise Deutschland/Luxemburg, Viertelstundenwerte 16.08.2026
Auf ein Jahr hochgerechnet wäre das nur dann rund 175 Euro, wenn derselbe Abstand an 365 Tagen nutzbar wäre. Diese Annahme trägt nicht. Der Wert des Rechenfalls liegt in der Schwelle: Unter 5 Cent Abstand bringen 2,5 kWh Verschiebung gerade einmal 12,5 Cent am Tag. Bei 20 Cent Abstand wird derselbe Handgriff sichtbar.
STUDIENBEFUND
2,5 kWh: erst der Cent-Abstand macht den Tag sichtbar
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Schwelle | 40 Cent |
| Skala | 0 Cent bis 60 Cent |
| Bereich 1 | kaum sichtbar |
| Bereich 2 | spürbar |
| 19,215 ct/kWh Abstand | 48,04 Cent |
Quelle: Eigene Rechnung auf Basis von 2,5 kWh Modelllast und SMARD-Spread 16.08.2026
Wo lesen Sie die Kurve für morgen ab, und welche Zahl ist dort welche?
Die Anbieter-App zeigt je nach Tarif nicht dieselbe Zahl wie die Börse, und dort entstehen die teuren Verwechslungen.
| Zahl | Was sie meint | Typische Verwechslung | Folge |
|---|---|---|---|
Day-Ahead-Preis | Auktionspreis für den Folgetag | wird mit Intraday verwechselt | falscher Planungswert |
Intraday-Preis | kurzfristiger Handel am Liefertag | wird als Haushaltsabrechnung gelesen | passt meist nicht zum Tarif |
Großhandelspreis | Börsenpreis ohne feste Bestandteile | wird als Stromrechnung verstanden | Ersparnis überschätzt |
Endkundenpreis | Börsenpreis plus Tarifbestandteile | wird mit öffentlicher Kurve verglichen | prozentualer Spread kleiner, absoluter unverändert |
Die EPEX Spot dokumentiert die Marktergebnisse, Anbieter-Apps sind praktisch, aber tarifabhängig: Manche zeigen den Börsenanteil, andere bereits den Endkundenpreis. Wer die Kurve für einen dynamischen Tarif nutzt, liest zuerst im Tarifblatt nach, welche Bestandteile zeitvariabel sind.
Bleibt die Frage, welche Reihe für Sie gilt. Für Deutschland ist SMARD.de die öffentliche Adresse, für Österreich die Veröffentlichung der eigenen Gebotszone[4] und für die Schweiz die dort publizierte Preisreihe[5]. Die Zuordnung ist keine Formalie, denn Preiszone und Erzeugungsmix bestimmen, wo Tal und Spitze eines Tages liegen. Wer in Österreich oder der Schweiz wohnt und die deutsche Reihe auswertet, plant seinen Waschgang nach einem fremden Markt. Die Arbeitsfolge bleibt in allen drei Ländern dieselbe, nur die Zahlenreihe darunter ist eine andere.

Woran erkennen Sie einen Tag, an dem sich nichts verschieben lässt?
Nicht jeder Tag mit einer Kurve ist ein Tag mit nutzbarer Verschiebung. Manche Kurven zeigen nur, dass der Markt schwankt, ohne dass Ihr Haushalt ein erreichbares Fenster hat.
Drei Fälle sind typisch. Im Winter kann die Mittagsmulde fehlen, weil wenig PV-Erzeugung im Markt ist. An Tagen mit Doppelspitze morgens und abends liegt das günstige Fenster womöglich zwischen zwei Verbrauchsspitzen, die beide nicht verschiebbar sind. Und an einem Tag mit tiefem Preis um 3 Uhr hilft das Minimum wenig, wenn kein Gerät automatisiert starten kann.
Die Prüfgröße ist deshalb der Cent-Abstand zwischen Ihrem Verbrauchsfenster und dem nächsten erreichbaren Alternativfenster. Erst wenn dieser Abstand groß genug ist und die Kilowattstunden verschiebbar sind, wird aus der Kurve eine Handlung. Bis dahin ist sie nur Marktinformation.

Ein abgehakter Tag ist deshalb kein verpasster Tag. Wer an drei von zehn Tagen verschiebt und an den übrigen sieben nichts tut, nutzt den dynamischen Tarif richtig. Jeden Tag nach einem Fenster zu suchen kostet Aufmerksamkeit ohne Gegenwert.
Praktisch heißt das: einmal die zwei oder drei Geräte bestimmen, die überhaupt verschiebbar sind, und danach nur noch den Cent-Abstand für diese Geräte prüfen. Alles andere in der Kurve ist Marktinformation und keine Handlungsaufforderung.
Stromtarif einordnen
Wenn die Kurve erst mit Ihrem Lastprofil Sinn ergibt
StromVerstand ordnet Stromtarife nach Verbrauchszeitpunkt, Messdaten und verschiebbaren Kilowattstunden ein. Schicken Sie uns die Eckdaten Ihres Haushalts, wenn Sie den nächsten Schritt prüfen möchten.
Kontakt aufnehmenHäufige Fragen zu Spotmarkt-Preisen
Wann stehen die Strompreise für morgen fest?
Die Day-Ahead-Preise entstehen am Vortag nach der Auktion und stehen danach für den Folgetag fest. In vielen Apps erscheinen sie am frühen Nachmittag.
Brauche ich einen Smart Meter, um die Kurve zu nutzen?
Zum bloßen Lesen der Kurve brauchen Sie keinen Smart Meter. Für eine zeitgenaue Abrechnung im dynamischen Tarif ist ein intelligentes Messsystem relevant.[3]
Ist der Börsenpreis der Preis, den ich zahle?
Nein. Der Börsenpreis ist der variable Marktanteil; auf der Rechnung kommen Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Anbieterbestandteile dazu.
Sind negative Preise gut für meinen Haushalt?
Negative Börsenpreise können helfen, aber sie werden durch feste Preisbestandteile nicht automatisch zu einem negativen Endkundenpreis. Der Sonderfall wird im Beitrag zu negativen Strompreisen vertieft.
Day-Ahead oder Intraday: Welche Zahl gilt für mich?
Für die meisten dynamischen Haushaltsangebote ist der Day-Ahead-Preis der Planungswert. Entscheidend bleibt aber der konkrete Tarifvertrag.
Gilt die Kurve auch mit Festpreistarif?
Ja, als Marktinformation. Mit Festpreistarif wird sie aber nicht zeitvariabel abgerechnet; sie hilft dann eher bei der Geräteplanung oder bei der Frage, ob ein dynamischer Tarif später sinnvoll wird.
Weiterführend

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