Eine Wärmepumpe verbraucht im Eigenheim typisch 2.500 bis 4.500 Kilowattstunden pro Jahr. Wer diese Energie am dynamischen Tarif zur richtigen Zeit einkauft, holt 200 bis 500 Euro Spar-Potential heraus. Voraussetzung ist die SG-Ready-Steuerung der Wärmepumpe (seit 2019 Standard), ein dynamischer Tarif wie Tibber oder aWATTar, ein iMSys mit Viertelstunden-Werten und die §-14a-Anmeldung für Netzentgelt-Reduktion. Die JAZ-Verschlechterung durch Lastverschiebung ist gering, der wirtschaftliche Hebel substantiell. Stand: 28. Mai 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- SG-Ready mit vier Modi (1 = blockiert, 2 = normal, 3 = aktive Anhebung, 4 = forcierter Betrieb).
- Wärmepumpen-Jahresverbrauch typisch 2.500–4.500 kWh, mit Brauchwasser bis 6.000 kWh.
- § 14a EnWG Netzentgelt-Reduktion 60–180 €/Jahr je nach Modul-Variante.
- JAZ-Verschlechterung durch SG-Ready-Modus 3 typisch 0,1–0,2 Punkte, wirtschaftlich überkompensiert.
- Spar-Potential gesamt bei voller Konstellation: 200–500 €/Jahr.
- Bestand vor 2019 ohne SG-Ready: Nachrüstung über externes Relais möglich, kostet 200–500 €.
- Stand: 28.05.2026, nächste Prüfung 28.11.2026.
SG-Ready: die vier Modi
SG-Ready (Smart Grid Ready) ist eine Spezifikation des Bundesverband Wärmepumpe (BWP). Sie definiert eine standardisierte 2-Kanal-Eingangs-Schnittstelle an der Wärmepumpe, über die externe Signale die Heizungs-Steuerung beeinflussen. Vier Modi:
Modus 1, blockiert (00): Wärmepumpe wird zwangsweise abgeschaltet. Nutzung in extremen Netz-Engpässen oder bei sehr hohen Spot-Preisen.
Modus 2, Normalbetrieb (10): Standardfall ohne externe Steuerung. Die Wärmepumpe folgt der internen Regelung.
Modus 3, Empfehlungs-Modus (01): Wärmepumpe wird angeregt zu laufen, weil günstige Stromphase. Sie hebt typisch die Vorlauftemperatur leicht an oder lädt den Brauchwasserspeicher höher.
Modus 4, forcierter Betrieb (11): Wärmepumpe läuft maximal, auch wenn die interne Regelung niedrigere Leistung vorgeben würde. Pufferung in Heizungspuffer und Brauchwasser-Speicher.
In der Praxis kommen vor allem Modus 2 und Modus 3 zum Einsatz. Modus 1 nur in extremen Situationen, Modus 4 bei großen Pufferspeichern und sehr günstigen Spot-Preisen.

§ 14a EnWG für Wärmepumpen
§ 14a EnWG regelt die Netzentgelt-Reduktion für steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Wärmepumpen ab 4,2 kW Anschlussleistung erfüllen die Schwelle; bei typischen Eigenheim-Wärmepumpen (8–14 kW) ist sie klar erfüllt. Drei Modul-Varianten 2026:
| Modul | Bedingung | Netzentgelt-Reduktion |
|---|---|---|
Modul 1 | pauschal, ohne Lastreduzierungs-Pflicht | 110–180 €/Jahr |
Modul 2 | anteilig, Lastreduzierung auf 4,2 kW bei Netz-Engpass möglich | 60–110 €/Jahr |
Modul 3 | anteilig + Mindest-Pflichtbezug | ähnlich Modul 2 |
Anmeldung läuft beim Netzbetreiber, Bearbeitungszeit 3–4 Wochen. Modul 1 ist für Wärmepumpen-Besitzer ohne Engpass-Risiko die einfachste Wahl. Modul 2 oder 3 lohnen sich bei großen Heizungspuffern (≥ 200 Liter), die kurze Last-Drosselungen ohne Komfort-Einbuße abfangen.
§ 14a wirkt unabhängig vom dynamischen Tarif; beide kombinieren sich.
Lastverschiebung in der Praxis
Lastverschiebung läuft in drei Stationen:
Station 1, Spot-Preis-Polling: Der Tarif-Anbieter (Tibber, aWATTar) veröffentlicht die EPEX-Spot-Preise für den nächsten Tag um 14 Uhr Vortags. Die Wärmepumpen-App oder die externe Steuerung holt diese Preise ab.
Station 2, Lade-Plan-Berechnung: Die Steuerung bestimmt anhand der gewünschten Raumtemperatur und der Pufferspeicher-Kapazität, in welchen Stunden die Wärmepumpe läuft. Günstige EPEX-Stunden werden bevorzugt, typisch 2–5 Uhr im Nachttief und 11–14 Uhr in der Mittagsdelle (bei hoher PV-Erzeugung).
Station 3, SG-Ready-Signal: Die Steuerung sendet das passende SG-Ready-Signal an die Wärmepumpe. Bei günstiger Stunde Modus 3, bei normaler Stunde Modus 2, bei teurer Stunde Modus 2 mit reduzierter Aktivität.
Voraussetzung: Heizungspuffer mit ausreichender Kapazität (≥ 100 Liter sinnvoll), Brauchwasserspeicher (≥ 200 Liter) und SG-Ready-Hardware an der Wärmepumpe.

Anbieter mit Wärmepumpen-Modus 2026
Stand Q2/2026 haben mehrere Anbieter explizite Wärmepumpen-Steuerung in DACH:
Tibber Deutschland: native Integration mit Viessmann, Vaillant, Stiebel Eltron, Bosch. Konfiguration in der Tibber-App, Soll-Raumtemperatur als Steuergröße.
aWATTar (Österreich + Deutschland): Integration mit denselben Wärmepumpen-Marken, plus Buderus und Wolf.
Octopus Energy: ähnliche Integration, in DACH 2026 in Aufbau.
EVCC: Open-Source-Steuerung als Alternative zu nativen Anbieter-Integrationen. Funktioniert mit jeder SG-Ready-Wärmepumpe und jedem dynamischen Tarif-Anbieter.
Die Tiefe der Integration variiert. Native Integration mit dem Wärmepumpen-Hersteller liefert detailliertere Steuerung (Brauchwasser-Lade-Zeitpunkt, Vorlauftemperatur-Anhebung), EVCC bietet hersteller-übergreifende Flexibilität.
[CTA mittig] Wer parallel den dynamischen Stromtarif als Standard-Voraussetzung prüfen will, findet die Lastprofil-Schwellen-Tabelle hier: Dynamischer Stromtarif.
Spar-Potential nach Wärmepumpen-Verbrauchsklasse
| Wärmepumpen-Verbrauch | EPEX-Spread-Mittel | Lastverschiebungs-Anteil | Spar-Potential |
|---|---|---|---|
2.500 kWh (KfW-Effizienzhaus 55) | 8 ct | 50 % | 100 € |
4.000 kWh (Standard) | 10 ct | 60 % | 240 € |
6.000 kWh (mit Brauchwasser) | 10 ct | 60 % | 360 € |
4.000 kWh + § 14a Modul 1 | 10 ct | 60 % | 240 + 140 € = 380 € |
6.000 kWh + § 14a Modul 1 | 10 ct | 60 % | 360 + 140 € = 500 € |
Die Werte setzen voraus, dass die Lastverschiebung 200 Tage im Jahr aktiv läuft (Heizsaison). Im Sommer ist die Wärmepumpe primär für Brauchwasser im Einsatz; der Spareffekt fällt kleiner aus, bleibt aber spürbar.
- Native Integration: Tibber (Deutschland) und aWATTar (Österreich und Deutschland) steuern Viessmann, Vaillant, Stiebel Eltron und Bosch direkt aus der App; aWATTar zusätzlich Buderus und Wolf. Octopus Energy baut die Integration in DACH gerade auf.
- Herstellerunabhängig: EVCC steuert als Open-Source-Lösung jede SG-Ready-Wärmepumpe an jedem dynamischen Tarif. Der Preis dafür ist die eigene Einrichtung.
Komfort-Trade-off: JAZ-Verschlechterung
SG-Ready-Modus 3 hebt typisch die Vorlauftemperatur leicht an, um den Heizungspuffer in günstigen Stunden stärker zu beladen. Das verschlechtert die Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe; eine höhere Vorlauftemperatur bedeutet niedrigere Effizienz.
Fraunhofer ISE, Feldtest „WPsmart im Bestand" (SG-Ready-Steuerung an neun Wärmepumpen): Die SG-Ready-Modus-3-Nutzung verschlechtert die JAZ typisch um 0,1–0,2 Punkte (z. B. von JAZ 3,8 auf 3,6): messbar, aber gering und konsistent mit den ISE-Feldtest-Effizienzdaten.
Wirtschaftliche Bilanz: Die JAZ-Verschlechterung bedeutet etwa 3–5 Prozent höheren Stromverbrauch. Bei 4.000 kWh sind das 120–200 kWh mehr. Beim Standard-Strompreis (35 ct/kWh) wären das 40–70 € Mehrkosten, deutlich weniger als der Spareffekt am dynamischen Tarif (240–500 €). Wirtschaftlich überkompensiert.
Bei sehr niedrigen Vorlauftemperaturen (Niedertemperatur-Fußbodenheizung unter 28 °C) ist der Pufferungs-Spielraum begrenzt. Hier ist die Lastverschiebungs-Logik knapper.

Bestand: Wärmepumpen vor 2019 ohne SG-Ready
Wärmepumpen vor 2019 haben oft kein SG-Ready ab Werk. Drei Wege im Bestand:
Nachrüstung über externes Relais: SG-Ready-Eingang wird über ein externes Hardware-Modul nachgerüstet. Kostet 200–500 € inkl. Installation. Funktioniert bei den meisten Wärmepumpen-Marken.
Software-Update durch Hersteller: einige Hersteller (Viessmann, Vaillant) bieten Firmware-Updates für SG-Ready-Funktion. Stand 2026 nicht für alle Bestands-Modelle verfügbar.
Weiterbetrieb ohne Lastverschiebung: Wärmepumpe läuft im Standard-Modus. Der dynamische Tarif greift nur über Spot-Preis-Beobachtung ohne aktive Steuerung; das Spar-Potential liegt 30–50 Prozent niedriger.
Bei Wärmepumpen über 8 Jahre alt ist die Nachrüstung oft wirtschaftlich knapp. Lebensdauer-Ende der Anlage in 2–4 Jahren absehbar, dann Ersatz mit SG-Ready-Standard.
- Externes Relais nachrüsten: 200 bis 500 € inklusive Installation, funktioniert bei den meisten Bestandsgeräten.
- Firmware-Update: Viessmann und Vaillant bieten es für einen Teil der Bestandsmodelle an, 2026 längst nicht für alle.
- Bewusst lassen: Ab etwa acht Betriebsjahren rechnet sich die Nachrüstung selten. Steht der Austausch in zwei bis vier Jahren an, kommt SG-Ready ohnehin mit dem neuen Gerät.
PV + Wärmepumpe + Speicher + dyn. Tarif: die volle Sektorkopplung
Wer PV-Anlage, Wärmepumpe, Heimspeicher und dynamischen Tarif kombiniert, hat die vollste Sektorkopplungs-Konstellation 2026. Die Logik:
- PV liefert günstigen Eigenstrom mittags
- Speicher puffert über Mittag/Abend
- Wärmepumpe nutzt PV-Strom direkt und schiebt bei Bedarf Last in günstige Netz-Stunden
- Dynamischer Tarif optimiert die Netz-Bezugs-Stunden
Spar-Potential gegenüber Standard-Konstellation (Wärmepumpe ohne dyn. Tarif + Festtarif-Strombezug): 500–1.200 €/Jahr. Initial-Investition für die volle Konstellation: 25.000–40.000 € (PV + Speicher + Wärmepumpe), Förderung über BAFA und KfW reduziert den Netto-Aufwand deutlich.
Für Neukäufer mit Eigenheim und absehbarem Heizungswechsel ist diese Konstellation die wirtschaftlich attraktivste Sektorkopplungs-Variante 2026.
Empfehlung mit Schwelle
| Bedingung | Empfehlung |
|---|---|
Wärmepumpe ≤ 5 Jahre alt + SG-Ready + iMSys + § 14a | dyn. Tarif Modus 2 oder 3, Spar-Potential 200–500 €/Jahr |
Wärmepumpe 5–10 Jahre alt + SG-Ready vorhanden | dyn. Tarif optional, kleineres Spar-Potential |
Wärmepumpe < 2019 ohne SG-Ready | dyn. Tarif ohne aktive Steuerung — geringe Lohnenswertigkeit; SG-Ready-Nachrüstung erwägen |
Vorlauftemperatur dauerhaft < 28 °C (sehr niedrige Niedertemperatur-FBH) | Pufferungs-Spielraum minimal, Lastverschiebung knapp |
Heizungspuffer ≥ 200 Liter, Wärmepumpe + PV | volle Setup-Lohnenswertigkeit, hybride PV-Eigenverbrauchs- + Tarif-Logik |
ohne iMSys, ohne § 14a-Anmeldung | dyn. Tarif technisch möglich, aber ohne Netzentgelt-Reduktion |
Empfohlen dyn. Tarif + SG-Ready bei Wärmepumpe ≤ 5 Jahre + iMSys + § 14a-Anmeldung. Spar-Potential 200–500 €/Jahr.
Empfohlen SG-Ready-Nachrüstung bei Bestands-Wärmepumpe mit ≥ 5 Jahren Restlebensdauer.
Nicht empfohlen ohne SG-Ready-Hardware — manuelle Lastverschiebung über Spot-Preis-App lohnt sich kaum.
Nicht empfohlen ohne iMSys mit Viertelstunden-Werten — dyn. Tarif greift nicht.
DACH-Brücke
In Österreich ist aWATTar der etablierte Anbieter mit Wärmepumpen-Integration. Die § 14a-Logik ist DE-spezifisch — in Österreich gilt das ElWOG mit anderen Lastreduzierungs-Modellen. Details in Balkonkraftwerk anmelden in Österreich. In der Schweiz ist die dynamische Tarif-Verbreitung 2026 langsamer; einige Versorger bieten Tarife mit Wärmepumpen-Sondersätzen. Details in Photovoltaik in der Schweiz.
Gegenüber der Standard-Konstellation aus Wärmepumpe im Festtarif liegt das Spar-Potential der vollen Sektorkopplung bei 500 bis 1.200 € im Jahr. Dem steht die JAZ-Verschlechterung durch die Lastverschiebung gegenüber: rund 3 bis 5 Prozent höherer Stromverbrauch, bei 4.000 kWh also etwa 120 bis 200 kWh. Der Effekt ist eingepreist, aber er ist real.
Häufige Fragen
Was bedeutet SG-Ready genau?
Smart Grid Ready ist eine standardisierte 2-Kanal-Eingangs-Schnittstelle an der Wärmepumpe für externe Steuerung. Definition durch BWP, seit 2019 Standard bei modernen Wärmepumpen.
Welche Hersteller unterstützen Tibber-Integration?
Viessmann, Vaillant, Stiebel Eltron und Bosch sind die vier dominanten DACH-Hersteller. Auch Wolf, Buderus, Daikin haben Integrationen.
Wie viel verschlechtert sich die JAZ?
Typisch 0,1–0,2 Punkte (Fraunhofer ISE, Feldtest „WPsmart im Bestand"). Wirtschaftlich überkompensiert durch den dyn. Tarif-Spar-Effekt.
Was kostet die SG-Ready-Nachrüstung?
Externes Relais 200–500 € inkl. Installation. Hersteller-Software-Update bei verfügbarem Modell 0–200 €.
Kann ich SG-Ready mit § 14a kombinieren?
Ja, beide Hebel ergänzen sich. § 14a wirkt unabhängig vom dyn. Tarif, SG-Ready ist die Steuerungs-Schnittstelle für die Lastverschiebung.
Greift das bei sehr kalten Tagen mit Volllast?
Bei extremen Außentemperaturen läuft die Wärmepumpe ohnehin auf Volllast — Lastverschiebungs-Spielraum entfällt. SG-Ready-Modus 2 (Normalbetrieb) ist hier der Standardfall.
Brauche ich einen Heizungspuffer?
≥ 100 Liter Puffer empfohlen für effektive Lastverschiebung. Ohne Puffer ist der Spielraum für Modus 3 (Anhebung) sehr begrenzt. [CTA Ende] Wer parallel den dynamischen Stromtarif als Voraussetzung verstehen will, findet die Lastprofil-Schwellen-Tabelle hier: Dynamischer Stromtarif.
Quellen und Stand
Nächste Prüfung dieses Beitrags: 28.11.2026.

