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Standby-Verbrauch im Haushalt: Wo die ersten 200 kWh stecken, und was sich lohnt

Tarif und Verbrauch

Standby kostet einen Haushalt rund 115 Euro im Jahr. Ab welcher Grundlast sich Messen lohnt, welche Geräte betroffen sind und was Sie sparen. Stand: 03.07.2026.

Standby-Verbrauch im Haushalt: Wo die ersten 200 kWh stecken, und was sich lohnt

Rund 115 Euro zahlt ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland, Österreich und der Schweiz pro Jahr für Strom, der kein einziges Gerät sinnvoll betreibt. Das Lämpchen am Fernseher, das Netzteil am Schreibtisch, der Router im Flur, die Kaffeemaschine mit Uhr: zusammen ziehen sie rund um die Uhr Strom, ohne dass ein Haushaltsprozess davon abhängt. Das Umweltbundesamt beziffert diesen Standby-Verbrauch auf durchschnittlich etwa 360 Kilowattstunden im Jahr [1].

Der Fehler liegt selten im Sparwillen, sondern in der Reihenfolge. Die meisten Ratgeber starten mit einer Tippliste und empfehlen sofort Steckdosenleisten und Smart Plugs. Wer aber nicht misst, schließt zuerst das Günstigste ab und übersieht den eigentlichen Stromfresser. Dieser Beitrag dreht die Reihenfolge um: erst die Grundlast am Smart Meter ablesen, dann gezielt an wenigen Punkten messen, dann entscheiden. Stand: 3. Juli 2026.

Das Wichtigste in Kürze

Kernschema zu Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch.
Das Bild macht die Entscheidung im Abschnitt sichtbar: Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch wird als konkrete Haushaltsschwelle lesbar.
  • Standby kostet rund 115 Euro im Jahr. Der belegte DACH-Durchschnitt liegt bei etwa 360 Kilowattstunden Standby-Verbrauch pro Haushalt [1]. Bei hoher Grundlast steigt der Betrag deutlich.
  • Die Schwelle ist eine Watt-Zahl, eine Messgröße. Ab einer konstanten Grundlast von mehr als 80 Watt (Nacht-Ablesung am Smart Meter) lohnt sich die Optimierung, ab mehr als 120 Watt ist sie sehr lohnend.
  • Fünf Messpunkte bringen den Großteil der Ersparnis. Entertainment-Anlage, Router-Verbund, Küchen-Bereitschaftsgeräte, Netzteile am Schreibtisch und Heimkino oder Drucker decken den Löwenanteil ab.
  • Nicht alles darf vom Netz. Router, Kühlgeräte, Heizungssteuerung, OLED-Fernseher und NAS bleiben aus guten Gründen an: pauschales Abschalten ist ein Fehler.
  • Drei Spar-Pakete geben die Etappen vor. 200, 500 und 1.000 Kilowattstunden Jahresziel, gestuft nach Aufwand vom einfachen Eingriff bis zur systematischen Ausstattung.

Was Standby in DACH-Haushalten kostet

Vergleichsbild zu Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch.
Das Bild macht die Entscheidung im Abschnitt sichtbar: Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch wird als konkrete Haushaltsschwelle lesbar.

Standby ist die Leistung, die Geräte im Bereitschafts- oder Schein-Aus-Zustand dauerhaft ziehen. Weil sie konstant fließt, summiert sie sich über 8.760 Jahresstunden zu spürbaren Kilowattstunden. Das Umweltbundesamt gibt für einen durchschnittlichen Haushalt rund 360 Kilowattstunden Standby-Verbrauch an, das entspricht bei aktuellen Strompreisen etwa 115 Euro im Jahr [1]. Damit liegt der Standby-Anteil bei einem typischen Jahresverbrauch von 2.500 bis 4.000 Kilowattstunden in der Größenordnung von acht bis fünfzehn Prozent.

Die folgende Tabelle ordnet typische Geräteklassen nach ihrer Bereitschaftsleistung ein. Die kWh-Werte gelten für Dauerbetrieb im Standby über das Jahr, die Kosten sind mit dem deutschen Haushaltsstrompreis von 37,0 Cent je Kilowattstunde gerechnet (BDEW-Strompreisanalyse, Stand April 2026) [2]. Die Watt-Werte stützen sich auf die Standby-Messungen der Stiftung Warentest [3].

GeräteklasseStandby-LeistungkWh/JahrKosten/Jahr

Router / Heimnetz (dauerhaft)

8–15 W

70–130

26–48 €

Entertainment-Anlage (TV, Receiver, Soundbar)

10–30 W

88–260

33–96 €

Spielkonsole im Ruhemodus

5–20 W

44–175

16–65 €

Kaffeevollautomat mit Bereitschaft

3–8 W

26–70

10–26 €

Mikrowelle mit Uhr / Display

2–5 W

18–44

7–16 €

Netzteile und Ladegeräte (Schreibtisch)

3–10 W

26–88

10–33 €

Drucker / Multifunktionsgerät

3–8 W

26–70

10–26 €

PC / Monitor im Ruhezustand

3–10 W

26–88

10–33 €

NAS / Heimserver (dauerhaft)

10–25 W

88–219

33–81 €

Ein einzelnes Rechenbeispiel macht die Wirkung greifbar: Ein Haushalt mit 100 Watt konstanter Grundlast käme über das Jahr auf rund 876 Kilowattstunden und damit auf gut 320 Euro allein für Bereitschaftsstrom. Wichtig zur Einordnung: Diese 100 Watt sind ein Worst-Case, ein Worst-Case. Sie treten in Einfamilienhäusern mit vielen Altgeräten auf, nicht im typischen Haushalt. Der belegte DACH-Durchschnitt bleibt bei rund 360 Kilowattstunden und rund 115 Euro [1].

In Österreich und der Schweiz ist die Geräteseite identisch, nur der Strompreis unterscheidet sich. Für die österreichischen und Schweizer Tarifstände gelten die jeweils aktuellen Veröffentlichungen von E-Control und ElCom; die Watt-Werte und die Rechenlogik der Tabelle bleiben unverändert.

Grundlast aus dem Smart Meter ablesen

Entscheidungsschema zu Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch.
Das Bild macht die Entscheidung im Abschnitt sichtbar: Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch wird als konkrete Haushaltsschwelle lesbar.

Bevor Sie ein einziges Gerät abschalten, lesen Sie Ihre Grundlast ab. Die Grundlast ist die Leistung, die Ihr Haushalt zieht, wenn bewusst nichts läuft: nachts, wenn Beleuchtung, Herd und Waschmaschine aus sind. Genau dieser Wert entscheidet, ob sich die Optimierung überhaupt lohnt.

Am einfachsten geht das über zwei Zählerstände in der Nacht. Notieren Sie den Zählerstand etwa um 23 Uhr und erneut nach dem Aufstehen, teilen Sie die verbrauchten Kilowattstunden durch die vergangenen Stunden: das Ergebnis in Kilowatt mal 1.000 ergibt die durchschnittliche Grundlast in Watt. Ein Wert von 0,08 Kilowatt entspricht 80 Watt. In Deutschland lässt sich dieselbe Ablesung bei einem modernen Smart Meter direkt über das Portal des Messstellenbetreibers oder die zugehörige App verfolgen. In Österreich bietet der Smart-Meter-Check der Initiative klimaaktiv einen Einstieg, in der Schweiz greifen Sie über die App Ihres Netzbetreibers oder das Pronovo-Portal auf die Werte zu.

Die genaue Aufschlüsselung Ihres Tages- und Nachtverlaufs, inklusive der 15-Minuten-Werte, führt der Beitrag Lastprofil aus Smart-Meter-Daten lesen im Detail aus. Für die Standby-Frage reicht zunächst die eine Zahl: Ihre nächtliche Grundlast in Watt.

Fünf Messpunkte, die den Großteil der Ersparnis bringen

Lesefluss-Reset zu Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch.
Das Bild macht die Entscheidung im Abschnitt sichtbar: Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch wird als konkrete Haushaltsschwelle lesbar.

Ist die Grundlast bekannt und liegt über 80 Watt, folgt der zweite Messschritt: mit Priorität auf die größten Verbraucher. Eine Messsteckdose für rund 10 bis 25 Euro zeigt Ihnen die tatsächliche Bereitschaftsleistung einzelner Geräte. Fünf Punkte decken erfahrungsgemäß den großen Teil der Grundlast ab:

  1. Entertainment-Anlage samt Konsole. Fernseher, Receiver, Soundbar und Spielkonsole im Ruhemodus summieren sich schnell auf 30 bis 60 Watt. Das ist der häufigste einzelne Block.
  2. Router und Heimnetz. Router, Repeater und Switches laufen dauerhaft. Sie lassen sich selten ganz abschalten, aber der Verbund lohnt eine Messung, weil Altgeräte hier auffällig hoch liegen.
  3. Küchen-Bereitschaftsgeräte. Kaffeevollautomat, Mikrowelle und Backofen mit Display ziehen einzeln wenig, in Summe aber messbar Strom für Uhr und Bereitschaft.
  4. Netzteile und Ladegeräte am Schreibtisch. Steckernetzteile ohne angeschlossenes Gerät bleiben ein klassischer Phantomverbrauch, den eine Steckdosenleiste mit Schalter mit einem Griff beseitigt.
  5. Heimkino, Drucker und Nebengeräte. Multifunktionsdrucker und selten genutzte Geräte im Dauerstandby runden die Liste ab.

Wer diese fünf Punkte misst und gezielt eingreift, bewegt die Grundlast in aller Regel deutlich nach unten: ohne jede Verhaltensänderung im Alltag. Genau das ist der Kern des Mess-First-Prinzips: wissen, wo der Strom hingeht, und gezielt handeln.

Master-Slave-Steckdose oder Smart Plug: was wann passt

Abschluss-Visual zu Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch.
Das Bild macht die Entscheidung im Abschnitt sichtbar: Mess- und Einsparlogik für Standby-Verbrauch wird als konkrete Haushaltsschwelle lesbar.

Sind die Stromfresser identifiziert, stellt sich die Frage nach der Technik zum Abschalten. Zwei Ansätze dominieren, und die Wahl hängt an der Zahl der Geräte und am gewünschten Komfort.

SituationPassende LösungWarum

Weniger als 3 Geräte an einem Ort

Steckdosenleiste mit Schalter

Günstig, ein Griff genügt, ohne Verkabelungsaufwand

3 bis 8 Geräte im Verbund (z. B. Entertainment)

Master-Slave-Steckdose

Ein Leitgerät schaltet die abhängigen Geräte automatisch mit ab

Mehr als 8 Geräte oder Smart-Home-Umgebung

Smart Plug mit App / Zeitschaltung

Fernsteuerung, Zeitpläne, Verbrauchsmessung je Steckdose

Die Master-Slave-Steckdose eignet sich besonders für die Entertainment-Anlage: Schalten Sie den Fernseher aus, trennen die abhängigen Steckdosen Receiver und Soundbar automatisch. Ein Smart Plug lohnt dort, wo Sie ohnehin messen und flexibel steuern wollen. Für einzelne Netzteile bleibt die simple Steckdosenleiste die wirtschaftlichste Lösung.

Was nicht vom Netz trennen

Pauschales Abschalten ist der häufigste Fehler. Einige Geräte müssen im Standby bleiben, weil das Abschalten Schaden anrichtet oder Nutzen kostet:

  • Router und Heimnetz-Geräte trennen die Internetverbindung und unterbrechen bei nächtlicher Abschaltung oft auch Telefonie und Smart-Home-Steuerung.
  • Kühl- und Gefriergeräte dürfen nie vom Netz: hier geht es um Lebensmittelsicherheit, nicht um Sparen.
  • Heizungssteuerung und Umwälzpumpe sichern Frostschutz und Zirkulation. Ein Abschalten kann in der kalten Jahreszeit teuer werden.
  • OLED-Fernseher nutzen den Standby für Pixel-Pflege-Routinen; dauerhaftes hartes Trennen kann die Bildqualität beeinträchtigen.
  • NAS und Heimserver führen im Hintergrund Backups und Synchronisationen aus, die ein Abschalten mitten im Vorgang stören.
Die Trennlinie in einem Satz

Abschalten lässt sich, was im Standby keinen Prozess sichert. Alles, was Verbindung, Kühlung, Frostschutz oder laufende Aufgaben trägt, bleibt an.

Drei Spar-Pakete: 200, 500 und 1.000 kWh-Ziel

Wie weit Sie gehen, ist eine Frage von Aufwand und Zielhöhe. Drei gestufte Pakete strukturieren die Umsetzung.

200 Kilowattstunden: der Einstieg. Weniger als fünf gezielte Eingriffe, rund ein bis zwei Stunden Aufwand: Entertainment-Anlage über Master-Slave-Steckdose absichern, Schreibtisch-Netzteile an eine schaltbare Leiste, offensichtliche Altgeräte messen und ersetzen oder trennen. Das ist das realistische Einsparpotenzial eines typischen Haushalts ohne technischen Aufwand und der Anker dieses Beitrags.

500 Kilowattstunden: systematisch. Alle fünf Messpunkte vollständig durchmessen, Master-Slave-Umbau an mehreren Verbünden, konsequente Umrüstung von Steckdosenleisten. Der Aufwand steigt, das Ergebnis reicht bei höherer Ausgangs-Grundlast an rund 150 bis 180 Euro Ersparnis im Jahr.

1.000 Kilowattstunden: vollständig. Flächendeckende Smart-Plug-Ausstattung, Zeitschaltung für das Heimnetz in Zeiten ohne Nutzung, kontinuierliche Verbrauchskontrolle. Dieses Paket lohnt vor allem bei sehr hoher Grundlast und dem Wunsch nach dauerhafter Transparenz.

Für Haushalte mit Photovoltaik hat die Grundlast-Senkung einen zusätzlichen Effekt: Weniger konstanter Bezug bedeutet, dass mehr des selbst erzeugten Stroms für sinnvollen Verbrauch zur Verfügung steht und die Eigenverbrauchsquote steigt. Der Eigenverbrauch, also der Anteil des selbst erzeugten Stroms, den Sie direkt nutzen, profitiert dort am stärksten, wo die dauerhafte Grundlast vorher hoch war.

Nächste Schritte

  • Prüfen Sie Ihre nächtliche Grundlast und vergleichen Sie sie mit der Schwelle: Liegt der Wert über 80 Watt, lohnt der Einstieg mit dem 200-kWh-Paket. Die vertiefte Auswertung Ihrer Verbrauchskurve führt der Beitrag Lastprofil aus Smart-Meter-Daten lesen aus.

Vom Messen zum Tarif

Häufige Fragen

Wie viel kostet mich Standby pro Jahr?

Im Durchschnitt rund 115 Euro, gerechnet auf etwa 360 Kilowattstunden Standby-Verbrauch laut Umweltbundesamt [1]. Bei einer konstanten Grundlast über 120 Watt kann der Betrag deutlich höher liegen.

Welche Geräte sind am schlimmsten?

Vor allem die Entertainment-Anlage samt Spielkonsole, dauerhaft laufende Netzteile am Schreibtisch und Küchen-Bereitschaftsgeräte mit Display. Der Router zählt zur Grundlast, bleibt aber meist an.

Lohnt sich ein Smart-Plug-Set?

Ab einer konstanten Grundlast von mehr als 80 Watt in der Regel ja. Bei hoher Bereitschaftsleistung amortisieren sich die Anschaffungskosten oft schon innerhalb eines Jahres über die eingesparten Kilowattstunden.

Was sehe ich an meinem Smart Meter?

Die Grundlast: nächtlicher Verbrauch geteilt durch die gemessenen Stunden, umgerechnet in Watt. Ein Wert über 80 Watt ist das Handlungssignal, ab 120 Watt lohnt sich die Optimierung sehr.

Was, wenn ich keine Messsteckdose habe?

Beginnen Sie mit der Nacht-Ablesung am Zähler oder Smart Meter: dafür brauchen Sie kein Zusatzgerät. Die Messsteckdose für unter 20 Euro ist der nächste Schritt, sobald die Grundlast über der Schwelle liegt.

Ist Standby dasselbe wie Lastverschiebung?

Nein. Standby ist konstanter Verbrauch ohne Nutzen und gehört eliminiert. Lastverschiebung betrifft nützlichen Verbrauch wie Waschmaschine oder Wallbox, dessen Timing sich in günstige Stunden verlegen lässt. Beide Hebel sollten getrennt betrachtet werden.

Quellen und Stand

Quellen

  1. [1]Umweltbundesamt (UBA): Standby-Verbrauch privater Haushalte, rund 360 kWh und etwa 115 Euro je Haushalt und Jahr [1]
  2. [2]BDEW: Strompreisanalyse, Haushaltsstrompreis Deutschland 37,0 ct/kWh, Stand April 2026 [2]
  3. [3]Stiftung Warentest: Standby-Messwerte typischer Haushaltsgeräte [3]
  4. [4]E-Control (Österreich) und ElCom (Schweiz): jeweils aktueller Strompreisstand für die DACH-Einordnung

Stand dieses Beitrags: 3. Juli 2026. Nächste Prüfung dieses Beitrags: 31.12.2026 (Strompreis, UBA-Werte).

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