Der Kanton Bern ist mit über einer Million Einwohnern und einer Mischung aus Stadt-Bern, Mittelland-Gemeinden und Berner Oberland strukturell vielseitiger als die Stadt Zürich. Wer hier eine PV-Anlage anmeldet, hat zwei dominante Netzbetreiber zu unterscheiden: BKW Energie AG im Großteil des Kantons inklusive Berner Oberland, Energie Wasser Bern (ewb) im Stadt-Bern-Versorgungsgebiet. Dazu kommt ein nach AUE-Angaben besonders umfangreiches kantonales Solarförderprogramm über die Kanton-Bern-Baudirektion (AUE). Stand: 28. Mai 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- BKW Energie AG als Hauptnetzbetreiber, ewb im Stadt-Bern-Gebiet.
- Anmeldung beim zuständigen VNB vor Errichtung; bei „genügend angepassten" Anlagen Meldung statt Baubewilligung.
- Pronovo-Einmalvergütung KLEIV als Bundes-Förderlinie.
- Kanton-Bern-Förderprogramm (Amt für Umweltkoordination und Energie, AUE): nach AUE-Angaben besonders umfangreiches kantonales Solarförderprogramm 2026.
- ewb-Solarbonus zusätzlich für Stadt-Bern-Adressen.
- Fassaden-PV mit höherem Fördersatz als Standard-Aufdach, gesetzt als bewusste Förder-Priorität.
- ZEV-Modell verbreitet in Mehrfamilienhäusern.
- Stand: 28.05.2026, nächste Prüfung 28.11.2026.
BKW vs. ewb: Zuständigkeit im Kanton Bern
Die zentrale erste Frage: Welcher Netzbetreiber ist für Ihre Adresse zuständig?

BKW Energie AG ist die dominante VNB im Kanton Bern. Sie deckt Großteile des Mittellandes, das Berner Oberland (inkl. Interlaken, Thun-Region) und Teile angrenzender Kantone (Solothurn, Aargau-Randgebiete) ab. Versorgungsgebiet rund 800.000 Kundenstellen. Anmeldungen laufen über das BKW-Online-Portal mit Steckersolar- bzw. PV-Anschluss-Formular.
Energie Wasser Bern (ewb) ist Versorger und Netzbetreiber für die Stadt Bern. Versorgungsgebiet kompakter (rund 70.000 Kundenstellen), Online-Portal des ewb. Dazu kommen einige kleinere Versorger in einzelnen Gemeinden: Biel/Bienne, Burgdorf und Thun mit eigenen kommunalen VNB.
Stromrechnung prüfen: Der Netzbetreiber steht im Abschnitt Netzgebühren. Er ist nicht zwangsläufig identisch mit Ihrem Stromlieferanten.
Anmeldung beim BKW (Großteil Kanton)
BKW-Anmelde-Pfad in drei Stationen:
Station 1, Anschlussgesuch: BKW-Online-Portal mit Modul- und Wechselrichter-Datenblättern, Aufstellungs-Schema, geplante Inbetriebnahme. PDF-Variante alternativ verfügbar.
Station 2, Bewilligungs-Prüfung: BKW prüft die technische Machbarkeit (Anschlussleistung, Netz-Kapazität). Bei „genügend angepassten" Anlagen läuft parallel die Gemeinde-Meldung statt Baubewilligung.
Station 3, Anschluss-Bewilligung und Inbetriebnahme: Mit BKW-Bewilligung darf die Installation erfolgen. Inbetriebnahme wird gemeldet, Zähler wird für Rücklieferung konfiguriert.
Bei größeren Anlagen (> 30 kW) führt BKW eine Anschluss-Begehung durch und prüft die Netz-Verstärkungs-Notwendigkeit.
Anmeldung beim ewb (Stadt Bern)
ewb-Pfad ist ähnlich, mit einer Stadt-Bern-Besonderheit: Das ZEV-Modell (Zusammenschluss Eigenverbrauch) ist in Stadt Bern besonders verbreitet, weil viele Mehrfamilienhäuser Eigentümer-Gemeinschaften mit Mieter-Strom-Konstellationen haben. Wer ein Mehrfamilienhaus mit PV plant, prüft im ewb-Beratungsgespräch parallel die ZEV-Konfiguration. Die ewb hat 2026 ein Beratungs-Programm „ewb Solar Plus" für diese Konstellationen aufgesetzt; die Beratung ist kostenfrei für Eigentümer und WEG.
Kanton Bern AUE-Förderprogramm 2026
Das Amt für Umweltkoordination und Energie (AUE) der Berner Baudirektion betreibt nach eigenen Angaben ein besonders umfangreiches kantonales Solarförderprogramm 2026. Förderhöhen variieren nach Anlagengröße und Bauform: Sätze von 300 bis 700 CHF pro Kilowatt-Peak je nach Konfiguration.
Besonderheit: Fassaden-PV wird mit einem höheren Satz gefördert als Standard-Aufdach. Das ist eine bewusste Förder-Priorität des Kantons. Fassaden-PV liefert Winter-Strom überproportional, weil die niedrige Sonnenposition vertikale Flächen besser bestrahlt. Wer ein Bestandsbauwerk mit Süd-Fassade hat, profitiert hier substantiell.
Antragsweg über das AUE-Förderportal vor Auftragserteilung. Bearbeitungszeit typisch 4–8 Wochen. Auszahlung nach Inbetriebnahme-Bestätigung und Rechnungsvorlage.
Wie der Schweizer Pronovo-Pfad genau funktioniert, mit KLEIV/GREIV/HEIV-Schwellen, vertieft der Grundlagen-Beitrag: Photovoltaik in der Schweiz.
ewb-Solarbonus für Stadt-Bern-Anlagen
Zusätzlich zum Kanton-AUE-Programm führt ewb für Stadt-Bern-Adressen einen eigenen Solarbonus. Stand 2026: rund 150–250 CHF pro Kilowatt-Peak pauschal, mit Schwerpunkt auf Aufdach-Anlagen.

Antragsweg über das ewb-Kundenportal. Voraussetzung: Wohnadresse Stadt Bern, ewb-PV-Anmeldung. Kombinierbar mit Pronovo und Kanton-AUE-Programm, ohne Anrechnung untereinander.
Wer in Stadt Bern eine 8-kWp-Aufdach-Anlage installiert, kombiniert typischerweise: 30 Prozent Pronovo + Kanton-AUE-Bonus + ewb-Solarbonus = 40–55 Prozent Förderquote. Bei Fassaden-PV greift der AUE-Höchstsatz, die Gesamtförderquote kann 50–60 Prozent erreichen.
Pronovo-Einmalvergütung in Kombination
Pronovo KLEIV läuft im Kanton Bern wie überall in der Schweiz: Antrag nach Installation, bis zu 30 Prozent der Investitionskosten, Auszahlung rund drei Monate nach vollständigem Antrag. Boni für hohe Anstellung (Fassaden-PV) und hochalpinen Standort (Berner Oberland > 1.500 m ü. M.) greifen explizit. Beide Sondersituationen sind im Kanton Bern häufig.
„Genügend angepasste" Anlagen im Kanton Bern
Stadt Bern und die meisten BKW-Gemeinden folgen der Swissolar-Linie. Bei dachneigungs-folgenden Anlagen ohne Aufständerung reicht die Meldung an die Gemeinde, mit einem Zeitvorteil von 4–6 Wochen gegenüber 3–6 Monaten Baubewilligung.

Im historischen Berner Altstadtkern (UNESCO-Weltkulturerbe) gelten strengere Denkmalschutz-Anforderungen. Hier ist eine zusätzliche Denkmalpflege-Stellungnahme typisch; die Meldung-statt-Bewilligung kann eingeschränkt sein.
In Berner Oberland-Tourismus-Orten (Grindelwald, Mürren, Wengen) gelten teils eigene Bauordnungs-Regelungen für Sichtbarkeit der Module von Wanderwegen oder Aussichtspunkten. Lokale Bauamtsrückfrage vor Antragstellung sinnvoll.
Empfehlung mit Schwelle
| Wohnsituation | Förder-Pfad |
|---|---|
Eigenheim Großraum Bern außerhalb Stadt, 4–10 kWp | BKW-Anmeldung + Pronovo KLEIV + Kanton Bern AUE |
Eigenheim Stadt Bern, 4–10 kWp | ewb-Anmeldung + Pronovo KLEIV + Kanton AUE + ewb-Solarbonus |
Fassaden-PV Bestandsbau Stadt Bern | Kanton-AUE-Höchstsatz + ewb-Solarbonus + Pronovo (Bonus hohe Anstellung) |
Mehrfamilienhaus mit ZEV-Plan, Stadt Bern | ewb-ZEV-Konfiguration + alle Förderebenen |
Berner Oberland, Höhenlage > 1.500 m ü. M. | Pronovo-Hochalpenbonus + Kanton AUE |
Aufgeständerte Anlage gegen Dachebene | Baubewilligung erforderlich, Förderung weiterhin möglich |
Berner Altstadt UNESCO-Bereich | Denkmalpflege-Stellungnahme einplanen |
Empfohlen: Fassaden-PV-Prüfung in Stadt-Bern bei geeignetem Bestand, weil hier die höchste Förderquote möglich ist. Empfohlen: ZEV-Konfigurations-Prüfung bei Mehrfamilienhäusern. Nicht empfohlen: Antrag in der falschen Reihenfolge, denn Kanton AUE und ewb-Solarbonus verlangen den Antrag vor Auftrag. Nicht empfohlen: Aufständerungen in der historischen Altstadt ohne Denkmalpflege-Vorabklärung.
DACH-Brücke
In Zürich hat EWZ eine Doppelrolle als Versorger und VNB; Details dazu in Photovoltaik in Zürich anmelden. Die Schweizer Grundlagen (KLEIV / GREIV / HEIV / Meldung statt Bewilligung) gelten kantonübergreifend; einen Überblick gibt Photovoltaik in der Schweiz. In Wien greift das österreichische ElWOG-Verfahren mit eigenen Förderlinien; Details dazu in Balkonkraftwerk anmelden in Wien.
Nächste Schritte
- Wer die Schweizer Einmalvergütung im Detail verstehen will, findet die Antwort im Grundlagen-Beitrag: Photovoltaik in der Schweiz.
- Bund: Pronovo zahlt die Einmalvergütung; KLEIV für Kleinanlagen, mit Zuschlag für hohe Anstellung und Höhenlage über 1.500 m ü. M.
- Kanton Bern: Die AUE-Förderung priorisiert Fassaden-PV, weil vertikale Flächen den knappen Winterstrom überproportional liefern.
- Gemeinde: In der Stadt Bern kommt der ewb-Solarbonus dazu; zusammen sind bei Aufdach 40–55 Prozent der Investitionskosten erreichbar, bei Fassaden-PV 50–60 Prozent.
- Vor dem Auftrag stellen: Kanton AUE und ewb-Solarbonus setzen den Antrag vor Vertragsschluss voraus.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen BKW und ewb?
BKW Energie AG ist der Hauptnetzbetreiber im Kanton Bern (Großteil des Mittellandes und Berner Oberland). ewb (Energie Wasser Bern) ist Versorger und VNB für die Stadt Bern. Beide sind eigenständige Unternehmen.
Warum ist Fassaden-PV in Bern besonders gefördert?
Die Kanton-AUE-Förderung priorisiert Fassaden-PV, weil sie Winter-Strom überproportional liefert (niedrige Sonnenposition trifft vertikale Flächen besser). Das Kanton-Stromsystem profitiert von gleichmäßiger Jahresverteilung.
Was bedeutet ZEV?
Zusammenschluss Eigenverbrauch: Mehrfamilienhaus-Eigentümer liefern PV-Strom an Mietparteien im selben Gebäude. Im Kanton Bern besonders verbreitet, ewb bietet Beratung an.
Wie hoch ist die Gesamtförderung in der Stadt Bern?
Bei Aufdach typisch 40–55 Prozent der Investitionskosten. Bei Fassaden-PV kann sich der Anteil auf 50–60 Prozent erhöhen.
Wann muss ich für eine Baubewilligung?
Bei Aufständerungen gegen die Dachebene, in der historischen Altstadt, in Tourismus-Orten mit Sichtbarkeits-Beschränkungen. Standard-Aufdach folgt der Meldung-statt-Bewilligung-Linie.
Lohnt sich PV im Berner Oberland?
Ja, mit Pronovo-Hochalpenbonus für Anlagen über 1.500 m ü. M. Der Winter-Strom-Beitrag ist überproportional, der Bonus reflektiert das.
Gilt der Solarbonus auch für Mieter?
Direkt nein, die ewb-Anlagen-Förderung greift bei Eigentümern. Mieter profitieren über ZEV-Modelle, in denen Vermieter die PV installiert und Strom an Mieter weitergibt.
Quellen und Stand
Nächste Prüfung dieses Beitrags: 28.11.2026.

